Mitteilungen der Islandfreunde - 01.03.1935, Qupperneq 31

Mitteilungen der Islandfreunde - 01.03.1935, Qupperneq 31
Btehen den Besuchern des Lesesaals zur Verfugung. In besonderen I’achern liegen die jeweils neuesten Zeitschriftennummern aus; viele nordische, auch einige deutsche sind darunter. Noch ein wichtiger Bestandteil der Bibliothek hat Aufnahme im Lesesaal gefunden, námhch die Kataloge, in denen die gesamten Biicherbestánde des Landsbókasafn auf Zetteln verzeich- net sind. Unter Beriicksichtigung der besonderen Aufgabe der Landesbibliothek als Samm- lerin und Bewahrerin des islándischen Schrifttums und im Hinblick auf die naturgemáC stár- kere Benutzung der islandischen Literatur gegeniiber anderen Veröffentlichungen ist jene sowohl im Katalog als auch im Magazin von diesen getrennt, und fiir beide Abteilungen sind alphabetische Verfasser- und Titelkataloge sowie Sachkataloge angelegt worden, die laufend ergánzt und fortgefiihrt werden. Dabei ist der Begriff „islándisch“ ziemlich weit gefaBt, und die islándische Abteilung umschheCt nicht nur Werke in islándischer Sprache und Werke, deren Inhalt auf Island und ahes, was damit zusammenhángt, Bezug hat, sondern auch jede Publikation,deren Verfasserlslánderist,gleichviel, welcher Gegenstanddarinbehandeltwird. An den Lesesaal schlieCt sicli die Biicherausgabe an, in der die Leser die Bánde in Empfang nehmen und wieder abhefern, die sie zu Hause durcharbeiten wollen. Damit verbunden ist das Magazin, wo auf modernen, feuersicheren Eisengestellen die Bucher in systematischen Pachgruppen aneinandergereiht stehen. Hierzu kommen die einzelnen Verwaltungsráume, die Beamtenzimmer usw., iiber die nichts Besonderes zu sagen ist, auCerdem ein Extralese- zimmer fiir solche Benutzer, deren Arbeiten gröCte Ruhe und Sammlung erfordern. In einer im ErdgeschoC eingerichteten Buchbinderwerkstatt werden die Neueingánge derBibhothek gebunden und Ausbesserungen vorgenommen. Die Benutzung der Landesbibliothek ist eine recht rege. Statistische Angaben dariiber fin den sich in den jáhrlich erscheinenden Verzeichnissen ihrer Neuerwerbungen, die zugleich AufschluC uber ihren jeweiligen Bestand geben. Nach dem Zuwachsverzeichnis fur 1933 (Ritaukaskrá Landsbókasafnsins 1933) hatte der Lesesaal in jenem Jahr 17949, das Sonder- lesezimmer 377 Besucher aufzuweisen, die zusammen 21794 Bucher und 6440 Handschriften benutzten. Aus dem Hause wurden 8300 Búeher an 73ö Entleiher gegeben. Diese Zahlen blei- ben freihch hinter denen der stádtisohen Volksbúcherei (Alþýdubókasafn Reykjavíkur) noch zurúck, die sich bereits nach zehnjáhrigem Bestehen — sie wurde 1923 gegrúndet -— rúhmen konnte, j áhrlich dreimal so viel Bánde auszuleihen, wie die islándische Hauptstadt Einwohner záhlt. Allein man muC die verschiedenartigen Aufgaben der beiden Bibhotheken ins Auge fassen, um diesen Unterschied zu verstehen, und bedenken, daC das Alþýðubókasafn in erster Linie eine Pf legestátte f úr die schöne Literatur — Romane, Novehen, auch Dramen und Lyrik —ist, wáhrend das Landsbókasafn es sich angelegen sein láGt, die wissenschafthche Forschung zu unterstútzen und die Grundlagen fiir emste Arbeit zu bieten. Wenn die Landesbibhothek natúrhch auch die islándische schöne Literatur sammelt, so geschieht das, um sie spáteren Generationen zu bewahren und das islándische Schrifttum in seiner Gesamtheit zu erfassen. Zur besseren Ausfuhrung dieser letzten Aufgabe dient das Pflichtexemplargesetz. Das be- deutet, daG die Bibliothek von allen auf Island gedruckten Veröffentlichungen Fréiexemplare erhált. Erstmahg gelangte die Stiftsbibhothek — die Bezeichnung Landesbibliothek ist spá- teren Datums — im Jahre 1834 in den GenuG von Pflichtexemplaren durch eine Verftigung der Stiftsobrigkeit anlaClich der Verpachtung der damals einzig existierenden Druckerei in Vijey. Heute ist das Pfhchtexemplargesetz so weit ausgebaut, daG die Druckereien eine ganze Anzahl von Exemplaren abzuhefern haben, und zwar von sámtlichen Druckerzeugnissen je zwei an die islándische Landesbibhothek und die Kgl. Bibhothek in Kopenhagen, je eins an die Universitátsbibhothek in Kopenhagen und die Amtsbibliothek der Fáröer in Thorshavn und auGerdem von den Schriften, deren Umfang úber U/2 Bogen hinausgeht, je eins an die Amtsbibhotheken in Akurejri (Bókasafn Nor uramtsins), Stykkishólmur (Bókasafn Vestur- amtsins), SeydisfjörSur (Bókasafn Austuramtsins) und an die Bibliothek in Isaf jördur (Bóka- safn Isafjardar). Zur Entschádigung ftir die an Dánemark abgegebenen Pflichtexemplare istdie Landesbibliothek bereehtigt, dánische Verlagswerke, die ihr wúnschenswert erscheinen, 191

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