Mitteilungen der Islandfreunde - 01.03.1935, Blaðsíða 34
„Das unbekannte Island“ '
Ein Puhier dureh das Land der Edda. Mit einem Beitrag „Geist und Geschichte des is-
Iándischen Volkes“ von Reinhard Prinz. Dies ist der Titel eines Werkes, das Ende Márz
von Dr. Walther Heering herausgegeben worden ist und im eigenen Verlage des Heraus-
gebers erschienen ist. Der beherrschende Gedanke dieses Buches war die Schaffung eines
Bildwerkes von Island, der islándischen Landschaft —, ein Wunsch, den jeder gehabt haben
muC, der aus eigenem Erlebnis oder auch nur aus Schilderungen und Beschreibungen mit
dieser Landschaft in Fiihlung gekommen ist. Diese Wiinsche gehen mit diesem Bilderband
einer Erfúllung entgegen. Walther Heering ist einer unserer besten deutschen Lichtbildner.
Auf Island wird die Kunst des Lichtbildners auf ihre hárteste und schönste Probe gestellt.
Was ist die ganze Máchtigkeit und GroBartigkeit der islándischen Landschaft — ohne den is-
lándischen Himmel, ohne Islands Licht und Luft ? Die meisten Islandaufnahmen geben nur
die Hálfte der Landschaft, nur den groben UmriB, nicht die Zartheit und jenen unbeschreib-
lichen Zauber, der als Licht und Parbe úber dem Wollgrasmeer wie um den Basaltberg webt.
In den Bildern dieses Buches, bei deren Auswahl der Herausgeber seinen eigenen Bestand
durch hervorragende und z. T. noch echtere Aufnahmen einiger anderer Lichtbildner ergánzt
hat, ist so viel eingefangen von dieser Stimmung der islándischen Landschaft, wie sich davon
wohl tiberhaupt nur auf die Platte bannen láBt. Es sind Bilder darunter, an denen man sich
nicht satt sehen kann. Wer Island mit eigenen Augen gesehen hat und wem diese Landschaft
wirklich aufgegangen ist, den zaubern diese Bilder wieder hinein in die stárksten Stunden
seiner Islandfahrt. Das Jökulsátal (S. 56), die Aufnahmen vom Mývatn (S. 52, 53), das Was-
ser und Wollgras, die Steine und Wolken (S. 36, 37), die Kústenbilder (6, 10, 11) sind unter
den 100 Bildem einzigartige Stúcke dieser Lichtbildkunst. Ein Teil der Wirkung ist dabei
dem ausgezeichneten Papier und Bilddruck zuzuschreiben, ein schönes Zeugnis deutscher
Musterarbeit. Beeintráchtigt wird die Bildwirkung vielfach nur durch den Text unter den
Bildern, der durch viele tiberfltissige, úberháufte Hinweise und durch seine Viersprachigkeit
(deutsch, islándisch, englisch, französisch) allzuviel Kaum einnimmt. Hier múBte bei einer
neuen Auflage unbedingt eine andere Lösung gefunden werden. Am besten die, daB auf den
englischen und französischen Text úberhaupt verzichtet wtirde. Eine neue Auflage wtirde
auch dem Titel des Werkes noch gerechter werden mússen durch eine noch bessero Auswahl
der Bilder —es fehlt manchesTypische derLandschaft, vor allem noch stárkere und echtere
Zeugnisse ihrer Wucht und Herbheit — und durch eine stárkere Einbeziehung des fast ganz
auBer acht gelassenen islándischen Volkslebens. Das gehört doch unbedingt dazu!
Die erste Hálfte des in GroBformat gehaltenen, im ganzen 163 Seiten starken Werkes
bildet ein TextteO. Von diesem bestreitet der Herausgeber einen Teil mit kurzen Angaben
tiber alles Wissenswerte fúr eine Islandreise und úber einige der lohnendsten Reisewege,
femer mit einigen Skizzen eigener Reiseeindrticke und einer fúr alle Lichtbildner sehr dan-
kenswerten Auskunft úber die Technik und Erfahrungen seiner Lichtbildarbeit auf Island.
Daran schlieBt sich eine Darstellung der islándischen Volksgeschichte von Reinhard Prinz,
in der die eigentúmlichen Kráfte und Schicksale des islándischen Volkes von den Anfángen
bis in die Gegenwart in groBen Zúgen umrissen werden. Eine so gedrángte und umfassende
Darbietung dieses Gegenstandes hat es bisher in Deutschland nicht gegeben. Dieser Text-
teil ist durch groBen schönen Druck auf sehr gutem Papier dem Format des ganzen Buches
und der vornehmen und gediegenen Ausstattung des Ganzen angepaBt. Nur dem rein prak-
tischen Teil hátte man vielleicht noch stilvoller eine etwas bescheidenere Letter gegeben.
Die Vereinigung der Bilder mit der praktischen Islandkunde und einem Úberbhck tiber
Geist und Geschichte des islándischen Volkes macht das Werk nicht nur zu einem kost-
baren Besitzstúck eines jeden Islandfreundes, sondern auch zu einem deutschen Islandbuch,
das weitesten Kreisen eine Vorstellung von dem viel umschwármten und doch nochimmer
wenig bekannten Island zu geben vermag.
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