Mitteilungen der Islandfreunde - 01.03.1935, Qupperneq 35

Mitteilungen der Islandfreunde - 01.03.1935, Qupperneq 35
Jón Tliorláksson *f* Am 20.Márz ist in seinemHeim in Reykjavík Jón Thorláksson gestorben. Sechs Stunden vor seinem Tode hatte er noch als Biirgermeister von Reykjavík an einer Sitzung teilgenommen. Dieser Dienst an seinem Amt und an seinem Vollf bif zu seinem Tode ist kennzeichnend fiir sein ganzes Leben und Wirken. Mit Jón Thorláksson ist eine der bedeutendsten Persönlichkeiten des islándi- schen Lebens dahingegangen. Er war einer der tátigsten und fáhigsten Bahnbre- cher und Förderer der gesamten ungeheuren Entwicklung Islands in den letzten drei Jahrzehnten. Als Landesingenieur, Stadtvertreter, Abgeordneter des AIl- dings und Biirgermeister von Reykjavík hat er auf den verschiedensten Gebie- ten des öffentlichen Lebens seine hervorragenden geistigen und menschlichen Kráfte eingesetzt und iiberall Yorbildliches geleistet. Dem Allding gehörte er von 1921—1933 an; 1924—1926 war er Finanzminister, 1926—1927 Ministerprásident. Als er sich 1933 aus gesundheitlichen Riicksichten vom Allding, in dem er die Selbstándigkeitspartei fiihrte, zuriickzog, iibernahm er doch noch das gerade da- mals sehr schwere Amt des Búrgermeisters von Reykjavík, in dem er dann seine letzten Kráfte aufgerieben hat. Einer seiner letzten groBen Erfolge war die Fi- nanzierung des grofien Kraftwerkes fiir die Hauptstadt. Wer Jón Thorláksson nur fliichtig und ganz auBerhalb seiner öffenthchen und politischen Wirksamkeit kennenlernte, der nahm doch einen starken Eindruck mit von der inneren und áufieren Ruhe und Sicherheit seines Wesens, die bei aller unermiidlichen Tátigkeit das deutlichste Zeichen einer geraden und tiefen Ge- sinnung war. Wir beklagen mit den Islándern den Tod dieses Mannes, mit dem ihnen einer ihrer weitestschauenden und uneigennútzigsten Ftihrer genommen worden ist. Reinhard Prinz Biicheranzeigen Ounnar Ounnarsaon: Die Eidbriider, Ro- man der ersten Islandsiedler. Aus dem Dá- nischen von Erwin Magnus. AlbertLangen/ Georg Mttller, Munehen 1934. 275 S. Die beiden neuen Werke von G. G. stellen sich wttrdig neben seinen groBen Jon Arason. Alles bestátigt sich in ihnen, was G. G.s is- lándischer Landsmann, Jóhann Jónsson, ein- mal in diesen Blattem uber den Jon Arason als den groBen Wendepunkt im Schaffen des islándischen Schriftstellers gesagt hat: Die Schárfe und die Unbestechlichkeit des Blik- kes, die ganz ungezwungene Auffassung des Stoffes, das ttberzeitliche menschliche Schwer- gewicht in dem ganzen vorgeftthrten Ge- schehen und ein dichterischer Vortrag, in dem dieser kunstlerische Wille ganz sich erfullt. Mitdiesergereinigtenund vertieftenArtdes Schaffens hángt zweif ellos zusammen die neu- artige Wahlder Gegenstánde: Der historische Bischof Jón Arason — und jetzt Menschen und Ereignisse aus der frtihen und frtihsten Gesehichte des eigenen islandischen Volkes. In der knappen, skizzenhaften Chronik des altislándischen Besiedlungsbuches (Landná- mabók), das auch von der Begrundung der 13* 195

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