Mitteilungen der Islandfreunde - 01.03.1935, Side 41
nordischen Fragen lassen sich nicht ganz tren-
nen, obwohl natiirlich Grönland abseits steht,
da es dabei nicht um die Befreiung eines Vol-
kes geht wie bei den beiden andem. Wird
Dr. Lundborg nicht auch zu den von ihm
noch nicht behandelten Nordlandsfragen das
Wort ergreifen ? Ich nenne noch die wichtig-
sten Verfassemamen: Maurer in zahlreichen
Schriften; Lundborg (Berlin 1908,1918,1921
und Aufsatze); Jóannes Patursson (Königs-
berg i.Pr. 1932; Smedal (Königsberg i. Pr.
1932); (uniibersetzt das auch fiir Island wich-
tige Buch, urspr. Dissertation, von Jón Dúa-
son, Oslo 1928, angezeigt Mitt. 1929, Jg. 16,
S. 91, und riihmend erwahnt 1931, Jg. 19,
S. 46). Alle diese treten fiir die Befreiung ein;
dagegen schrieb hesonders Knud Berlin (Ber-
lin 1910 und Königsberg i. Pr. 1932). Einen
kurzen Uberblick verschafft auch der Auf-
satz unseres Herausgebers: „Islands Preiheite-
kampf“ in dem letzten und dem vorliegen-
den Heft von „Island". Georg Weber
Walter Iwan: Island. Studien zu einer Lan-
deskunde. 155 S. 56 Abb. auf Tafeln, 52
. Textfiguren und ein Plan. 1935 Heft 7 der
„Berliner Geographischen Arbeiten“ (Her-
ausgegeben vom Geograph. Institut der
Berliner Universitat).
Die Arbeit, die dem Andenken Thoroddsens
gewidmet ist, basiert neben dem Literatur-
studium auf eigenen Forschungsarbeiten des
Verf. Auf einer Skizze im Anhang gibt Iwan
seine Reisewege und speziellen Arbeitsge-
biete, Eyjafjördur, Hofsjökull-Kjölur und
Reykjanes an. Die Arbeit gliedert sich in fol-
gende Dreiteilung: Die „Physis“ (wozu das
Premdwort ?), „die typischen Landschaften“
und „der Mensch in der Landschaft". Der
erste Teil behandelt den geologischen Auf-
bau, „Probleme der Gestaltung“, Klima und
Pflanzenkleid. Besondere Hervorhebung ver-
dient der dem Verfasser gelungene Nachweis
der Entstehung der Zeugenberge im Kjölur
zwischen Hofs- und Langjökull durch die ab-
tragende Gestaltungskraft der Eisrandbewe-
gungen. Das Skriöufell, Hrútafell und Thjó-
fafell zeigen deutliche Entwicklungsstadien
von der sich durch fortwáhrende dreiseitige
Eisbearbeitung allmahlich aus dem Langjö-
kull herauslösenden „Bastion" tiber den nur
noch mit schmalem Riicken verbundenen,
bis zum allseitig freistehenden Inselberg. Der
Verf. sieht in dieser Entwicldungsreihe nur
„e i n e Möglichkeit zur Entstehung der Zeugen-
berglandschaft“, indem er sich ausdriicklich
vor genereller Ubertragung der Theorie hútet.
Als „typische Landschaften" werden: Das
Eis, die Landschaft der glazialen Schotter,
die junkvulkanische Landschaft (Lavameere,
Tuffgebiete, Solfataren), das Tiefland und die
Fjorde betraohtet. Einzelne Abschnitte sind
zwar etwas kurz behandelt, doch ist das Cha-
rakteristische getroffen.
Im Abschnitt vom Menschen in der Land-
schaft bringt der Verf. einen kurzen, geogra-
phisch betrachteten AbriB von der Besied-
lung an bis zu den heutigen Verháltnissen, die
ebenfalls klar erkannt worden sind. Die Dar-
stellungen der Bauernwirtschaft und Pische-
rei dúrften auch dem Nichtgeographen man-
ches Wissenswerte bieten.
Das Buch ist mit 56 charakteristischen Ab-
bildungen ausgestattet, die mit 52 Textfigu-
ron wirksam zur Belebung und Auflockerung
des Textes beitragen. Die wissenschaftlich
núchterne Sprache wird des öfteren ange-
nehm unterbrochen durch eine lebhaftere,
malerisch anschauliche Darstellung der Land-
schaft und der ihr eigentúmlichen Stimmun-
gen. Den AbschluB des Buches bildet ein
reichhaltiger Anhang, der zahlreiche Anmer-
kungen (124), einen umfassenden Islandbil-
der-Nachweis, geordnet nach Landschaften,
sowie ein áufierst umfangreiches Literatur-
verzeichnis und schlieBlichein Verzeichnisder
Ortsnamenundbenutzten Landkarten enthált.
Im ganzen eine Arbeit, die trotz einiger Irr-
túmer und strittiger Punkte als eine sehr
wertvolle Bereicherung der deutschen geo-
graphischen Islandforschung bezeichnet wer-
den muB. Helmut Verlegor
Nachrichten
Deutsche Ehrung fúr Prof. Guðmun- verlieh Prof. Guðm. Hannesson, Dozent der
durHannesson. Die Universitát Hamburg Medizin an der Universitát Reykjavík, in An-
201