Mitteilungen der Islandfreunde - 01.03.1935, Blaðsíða 47
Tran, gesalzener und frischer Hering, Wolle,
Haute, Felle und Pferde. Fiir das kommende
Jahr ist dariiber hinaus Einfuhrerlaubnis er-
teilt worden fiir getrockneten Fisch, Schnee-
hiihner und Eiderdaunen. — Auf die Frage
naeh seinem letzten allgemeinen Eindruck
von Deutschland antwortete Jóhann Jósefs-
son: „Dieser Eindruck ist gut. Die Aufbau-
arbeit in Deutschland schreitet gleichmaCig
und umfassend vorwárts. Wáhrend meines
Aufenthaltes in Berlin fand gerade die grofie
jáhrliche Landwirtschaftsschau (die Griine
Woche) statt. Gleich nach ihrer Beendigung
wurde die gröCte Automobilausstellung er-
öffnet, die jemals gezeigt worden ist. Beide
Ausstellungen legten ein deutliches Zeugnis
ab von den riesenhaften Fortschritten in
Deutschland auf den Gebieten der Landwirt-
schaft und der Industrie seit der Machtiiber-
nahme Hitlers. Das deutsche Yolk arbeitet
sich auf allen Gebieten wieder Schritt fiir
Schritt empor. Das Bedeutsamste an diesem
Vorgang aber ist vielleicht, daC das ganze
Volk erfiillt ist von dem BewuCtsein, seine
besten Kráfte in der Wiederaufbauarbeit ver-
sinigen zu miissen. Das macht aus der Sieges-
hoffnung eine Wirklichkeit.“
Die Beobachtungen der 2. Reise von
Dr. E. M. Todtmann im Sommer 1934 an
den Siid- und Siidostrand des Vatna-Jökull
beschránkten sich wegen der Kiirze der ver-
íiigbaren Zeit vornehinlich auf die Veránde-
rungen an den Gletscherrándern seit 1934. Es
ergab sich, daC alle Gletscherzungen bis auf
oinen Teil des Skeiðarár-Gletschers weiter
im Riickzug begriffen sind. Infolgedessen
sind besonders im Gebiet des Breiðamerkur-
Gletschers interessante FluCverlegungen ein-
getreten. AmKviár-Gletscher bestátigte sich
die 1931 gefaCte Meinung, daG der obere
Gletscherteil schneller als der unter ihm lie-
gende flieCt. Dio Stirnránder beider Teile
werden vermutlich in 1—2 Jahren den glei-
chen Stand einnehmen. Infolge besserer Auf-
schliisse erwies sich, daC der östliche Teil der
Endmorane am Skeiðarár-Gletscher eine
Stauehendmorane ist, wie 1931 bereits ver-
mutet wurde. Damit sind am Siid- und Sud-
ostrand des Vatna-Jökull 4 Stauchendmo-
ránen festgestellt. Der Ritt iiber den Skei-
ðarár-Sander fiihrte durch das interessante
Gebiet, welches Ostem 1934 durch den Glet-
scherlauf weitgehend verándert worden ist.
Leider heiTschte wáhrend der Reise schlech-
tes Wetter.
Dem Jahresbericht der Germania, der
Islándischen Gesellschaft zur Förderung der
kulturellen Beziehungen Islands zu Deutsch-
land und ÖsteiTeich in Reykjavík, entnehmen
wir einige bemerkenswerte Mitteilungen.
Auf der von ca. 100 Personen besuchten
Versammlung am 6. April 1934 hielt Herr
Dr. M. Keil einen sehr beifállig aufgenom-
menen Vortrag mit Lichtbildem: „Reise
durch Deutschland".
Auf der nachsten Versammlung am 18. Mai
sprach Herr Dipl.-Handelslehrer Jón Gis-
surarsson, der in Deutschland studiert hat,
unter groGemBeifall iiber „Das neueDeutsoh-
land“. Gáste dieser Veranstaltung waren u. a.
auch englische, danische und französische Ma-
rineoffiziere der Fischereischutzboote Cher-
well, Hvidbjörnen und L’Ailett.
In der Versammlung am 22. September
sprach der Vorsitzende, Herr Konsul Julius
Schopka, iiber „österreich als Touristen-
land“. Seine aus eigener Anschauung und von
ausgezeichneten Lichtbildern unterstiitzten
Ausfiihrungen fanden starke Anteilnahme.
Auf dieser Versammlung wurden erstmalig
die neuen Abzeichen getragen, die in den is-
lándischen, deutschen und österreichischen
Farben gehalten sind. An der Ausgestaltung
des Abends wirkte die österreichische Kapelle
von Hotel Island mit.
Auf einer Veranstaltung am 17. Oktober
sprach Herr Dr. med. Pernice, der Leiter der
von Deutschland entliehenen Hygieneaus-
stellung sehr ausfuhrlich iiber „Rassen-
pflege, Bevölkemngspolitik und Eugenik im
neuen Deutschland“. Zu diesem Vortrag war
die islándische Studentenschaft cingeladen
worden. Dem Ehrenmitghed und Begriinder
der Gesellschaft, Herrn Museumsdirektor
Mattias Tliordarson, wurde an diesem Abend
vom Vorsitzenden, Herrn Konsul Julius
Schopka, das Ehrenabzeichen iiberreicht.
t)ber 200 Personen nahmen an der Veranstal-
tung teil.
Am 23. Oktober veranstaltete die Germa-
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