Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1930, Blaðsíða 33
hat sogar Wahrscheinlichkeit fiir sich, wie jeder bestátigen wird, der den nicht-
vulkanischen Hugel Helgafell am Breiðifjörður bestiegen hat, da6 auf dieser
Höhe bei dem ehemaligen Kloster in katholischer Zeit (vor 1550) tatsáchlich
ein weit sichtbares Kreuz gestanden haben mag, wie wir dies bestimmt von
andern Höhen auf Island wissen, z. B. Dalkross bei Blikalón im Nordland usw.
So mag sich der Beiname „Kreuzberg" fiir Helgafell erkláren, und so gingen
mutmafilich alle drei Namen der „Vulkane" Kreuzberg (Mons Crucis), Hei-
lichberg (Mons Sanctus) und Hechelberg (Mons Hekla, auch Mons Casulae
genannt) auf den einzigen mit Namen bekannten feuerspeienden Berg Hekla
zuriick. Dabei blieb aber die Kenntnis von der Tatsache bestehen, dafí es
auf Island mehr als nur einen tátigen Vulkan gab, und es lag nahe, dafí man
die Feuerherde in nicht allzu grofier Entfernung von der Hekla mutmafíte.
Tatsáchlich ist die Katla kaum 50 km, die Trölladyngja auf Reykjanes nicht
viel iiber 100 km vom Heklagebiet entfernt. Da man nun den „Mons Sanc-
tus“ in die Náhe der Hekla verlegte, so mufíte man natiirlich auch das an
seinem Fufíe liegende Kloster dorthin iibertragen, wie es die Carta marina
zeigt.
Beachtenswert sind ferner auf der Karte des Olaus Magnus drei grofie
Seen im Innern Islands, deren Fischreichtum durch Ruderer auf diesen Seen
bezeichnet wird. Es láfít sich wohl annehmen, dafí Olaus die Seen nicht will-
kiirlich eingezeichnet hat, sondern dafi sie sich auf Berichte iiber die den
Islándern wohlbekannten grofien und fischreichen Eandseen Thingvallavatn
(im W), Mývatn (im N) und entweder die fischreiche Seengruppe Fiskivötn
oder das seeartige Lagarfljót (im O) beziehen. Des weiteren bedeuten vier
Brunnen, wie auch aus den Anmerkungen des Olaus zur Karte hervorgeht,
die auf Island vorkommenden vier Quellarten, námlich die einfachen Quellen
guten kalten Trinkwassers, die warmen Quellen, deren es bekanntlich
tausende auf Island gibt, und von denen einige infolge ihres Gehalts an
Kieselsáure eingetauchte Gegenstánde „versteinern", ferner die „bieráhn-
lichen" kohlensauren Sprudel und schliefilich die ungeniefíbaren „giftigen"
Schwefel- und kochenden Schlammpfuhle. Diese unterschiedlichen Quellen
erwáhnte iibrigens bereits Saxo, von dem Olaus diese Angaben, die er von
Islándern oder Islandfahrern bestátigt hörte, ubernommen haben mag. Die
sonstigen Abbildungen auf der Carta marina erkláren sich gleichfalls durch-
weg ohne Schwierigkeit. Die als „Saxa" bezeichneten Runensteine kannte
Olaus Magnus wahrscheinlich aus Schweden; auf Island kommen sie nur in
geringer Zahl, meistens nur als kurze Grabinschriften vor und nicht, wie
Olaus im Anschlufí an Saxo meint, zur Verherrlichung alter Helden und ihrer
Taten; in Wirklichkeit sollen sie wohl lediglich eine Verbildlichung der be-
ruhmten altislándischen Eiteratur im allgemeinen darstellen.
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