Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1930, Side 71

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nachmittags 4 Uhr, begleitet von 2 Trágern fiir unser Zelt, den Aufstieg an. Er fiihrte iiber stark verwitterte Lava- und Tuffmassen, spáter iiber schwach entwickelte Grundmoránen der Svaðbaelisheiði bis zum Rande des Eises in etwa 760 m Höhe. Hier schlugen wir an der Stirnmoráne der breiten Zunge des Svaðbaelisjökull um 6% Uhr abends das Zelt auf, um die Nacht zu verbringen. Aber der Nebel war jetzt völlig verschwunden, iiber uns blaute der schönste klare Himmel. Da die Sonne noch hoch stand, und an der islándischen Siidkiiste das Wetter sehr unbestándig ist, so brechen wir nach zweistiindiger Ruhepause auf, legen das Seil an und steigen iiber máfiig geneigtes Eis und festen Firn auf das Gipfelmassiv zu. Fs zeigt von weitem drei regel- máliige Schneedome (Abb. 1). Der hinterste von ihnen ist mit 1666 m der höchste. Zuerst war unser Richtungspunkt ein Felsen, Goðasteinn, der Götterstein, 1350 m, der mit seinem tiefen Schwarz allein die weite, einförmige Schnee- landschaft unterbrach. Vielleicht ist er eine der Randspitzen des Eyjafjalla- Kraters, der unter Fis und Schnee vergraben liegt. Bevor wir ihn erreichen, ándern wir unsere Richtung und steuern nun auf den liöchsten Schnee- dom los. Kurz vor Mitternacht stehen wir auf dem Gipfel, der mit mách- tigen gebánderten Wáchten jáh nach Norden gegen das Þórsmörktal abbricht (Abb. 2). Die Sonne war vor kurzem erst untergegangen. Ein flammendes, blut- rotes Band, durch flockige durchscheinende Wolken abgedámpft, stand im Nordwesten am Firmament. Wáhrend die Glut hier langsam verblaBte, schritt sie nach Norden zu weiter fort und legte ihre wabernde Fohe auf die Spitzen der Berge. Die Schneehaube der Hekla und die dunklen, zackigen Felszinnen des Tindfjalla-Jökull erglánzten im Feuerdiadem. Wallialla, Odins himmlische Halle, mit ihren vergoldeten Zinnen schien in Flammen aufzugehen. Stumm und ergriffen standen wir auf der Eiskalotte und schauten dem grandiosen Schauspiele zu. So verging wohl eine Stunde. Dann erlosch auch im Norden der purpurne Schein, flammte aber kurz darauf in glánzenden Strahlen fern im Osten wieder auf, ein Fanal fiir die wiederaufgehende, nun im Golde strahlende Sonne. Morgens um Uhr traten wir den Abstieg an und erreichten vormittags 11 y2 Uhr unser bescheidenes Quartier nach einer Abwesenheit von 18% Stunden. Der Eyjafjalla-Jökull ist eine Schnee- und Eismasse von etwa 120 qkm Fláche und ruht auf einer Unterlage von Lava und Tuff. Nur wenige schwarze Spitzen, vielleicht die Reste eines Kraters, ragen aus der weifien Masse heraus; seit 1821 hat der Vulkan keinen Ausbruch mehr gehabt. Mit seiner 9 Mitt. d. Islandfreundc XVII, 3/4 111
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