Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1930, Side 99

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Sprung doch nicht verschuldet! Was konnte sie denn dazu, daO die Untertasse zer- brach, als sie sie abtrocknen wollte ? Und dann hatte Olöf sie geohrfeigt, so heftig, daO sie zu Boden sturzte; und dann hatte sie Olöf am Boden wieder auf den Rucken geschlagen; und dann hatte sie sie auf den FuB getreten, daB ihr der FuB noch lange nachher weh tat. Und es war doch nicht scliön, Jesus Christus so zu schlagen und ihn auf den FuB zu treten . . . und es war doch dasselbe, wie wenn sie ihm das angetan hátte, wenn sie mit ihr so umging, wenn sie auch nicht sein Bruder war, sondern nur seine Schwester. Es war doch so gut wie selbstverstándlich, wie es mit Olöf gehen wurde, wo sie so schrecklich schlecht gewesen war. Und was konnte sie denn dazu, wenn sie abends allemal durch und durch naB war, wenn sie am Tage immerzu hatte Wasser holen mússen. Sie lieB doch nicht zum SpaB den Eimer úberflieBen, stand den ganzen Tag im Nassen und lieB sich abends dafúr schlagen. Das Kinderherz wurde hart, wie die Seele eines alten Verbrechers. Ihre Puppe hatte die Kleine ganz vergessen und warf sich im Bett umher, ohne ihr die geringste Auf- merksamkeit zu schenken. Sie rechnete sich vor, wie unfreundlich Olöf sie immer behandelt hatte, seitdem Sigga zur Kreuzmesse voriges Jahr ins Haus gekommen war, das winzige Kleider- búndel an die Stútze des Sattels gebunden, an die sie selbst gebunden war, und die Puppe in dem dreieckigen Umschlagetuch, das sie um die Schultern trug. — „Du bekommst Schláge, Kind, wenn du unartig bist!" hatte Olöf gleich am ersten Abend zu ihr gesagt. Ich habe schon Gemeinde-Balger hier gehabt und weiB wie sie sind, besonders, wenn sie eben von ihrer Mutter herkommen. Und ich weiB mit ihnen fertig zu werden! Ich schlage sie einfach, wenn sie unartig sind, schlage sie einfach 1“ Und Klein-Sigga sah hierauf ihre Hánde, — groBe, blaurote, knochige Pfoten, und sie hatte das Empfinden, Olöf wúrde sie zu nichts anderem gebrauchen, als um kleine Kinder zu schlagen. Von den blauroten Hánden hatte sie oft getráumt! DaB sie zur Bettwand herein- kámen und ihr die Decke wegnáhmen, um sie zu schlagen. — DaB sie auf einer Felsen- spitze stánde, und dafi die Hánde da hinauflangten und sie hinunterwerfen wollten. — Und so viel anderes Schreckliches noch. Immer wollten sie ihr etwas antun. Und im Wachen hatte sie nicht weniger Angst vor ihnen gehabt, ais im Schlaf . . . Immer hatte sie versucht, möglichst weit von den Hánden fortzusein. Am schönsten war es, wenn sie aus dem Haus geschickt wurde, und die Hánde blieben in der Wohnstube oder im Vorratshaus. Herrlich war es, Wasser holen zu mússen, wenn sie nur nicht dann dafúr geschlagen worden wáre, daB sie naB war. Und sie hatte sich dann vor den Ifánden versteckt, wenn sie es ermöglichen konnte, hatte sich in irgendeinen Winkel Verkrochen, wenn einer in der Náhe war, sowie die Hánde vorbeigingen. Zuletzt am Abend vor ihrem Tode war Olöf hereingekommen, als Sigga ihren Grútze- brei aB, und die eine Hand hatte sie an der Brust gepackt und die andere hatte ihr den Breiteller fortgenommen. Die Schmerzen an der Brust spúrte sie noch heute. Und dann hatte Olöf sich zu ihren Ohren herabgebeugt. Klein-Sigga fúhlte die Kálte dabei ordent- lich durch die Ohren in sich eindringen, in den Kopf, hinab auf die Schultern und den ganzen Rúcken hinunter. Olöf aber hatte halblaut zu ihr gesagt: „Morgen schlage ich dich, weil du fortgelaufen bist und die Schafe auf das Tún kommen lieBest. Ich werde dich noch etwas grúndlicher prúgeln als sonst. Darúber kannst du heute abend im Bett und morgen frúh, wenn du dich anziehst, nachdenken, wie es sein wird, wenn ich lester als sonst zuhaue." Und sie hatte es doch nicht hindern können, daB die Schafe auf das Tún liefen. Denn das hatten sie ja getan, wáhrend sie aus der Scheune Torf in die Kúche trug. Und das 'var ihr aufgetragen worden. 131
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