Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1930, Blaðsíða 107
Sdrwierigkeiten des Ubersetzens nniiberwindlich. Besonders F. Niedner
bat seine Deutungskunst dieser Dichtungsgattung an gegebener Stelle
in verschiedenen Thulebanden bewáhrt, aber es ist doch nicht möglich,
den heutigen Deser in diesem Gedankenkreis durch Úbersetzung heimisch
zu machen. So muC denn diese Dichtungsgattung, um deren Verstándnis
heute wieder besonders in wissenschaftlichen Kreisen gerungen wird, dem
Kenner der altnordischen Sprache vorbehalten bleiben.
24 Bánde in 20 Jahren. Ein Werk, das unendlich viel in sich schlieCt
und dem dankbaren Beser unschátzbare Freude und Erkenntnis verschafft.
Dank dem riihrigen Verleger, der den Wagemut besessen, ein so groBes
finanzielles Risiko auf sich zu nehmen und dank den Gelehrten, die den
deutschen Gebildeten ein solches Monumentalwerk zu schaffen nicht múde
wurden. Nun liegt es an den Deutschen, sich diese lautere Quelle germa-
nischen Altertums recht zu erschlieBen, d. h. die Búcher wirklich zu kaufen
und zu studieren. Einzelne Bánde wie die Edda, haben es schon zu ganz
achtenswerten Absatzzahlen gebracht; andere Bánde wúrden das nicht
weniger verdienen und die Not der Zeit ist doch nicht immer eine aus-
reichende Entschuldigung fúr Versáumnisse auf diesem Gebiet. Wir mtissen
das Vertrauen des kúhnen Unternehmers rechtfertigen, der um der Sache
willen Opfer genug gebracht hat; es ist ein Geschenk von unschátzbarem
Wert, das er dem deutschen Volke in die Hand legt. Der letzte Band ist
dem islándischen Volke zur Jahrtausendfeier seiner Verfassung gewidmet:
man wird sicher auch auf Island anerkennen, was diese Sammlung fúr
die Verbreitung der Kenntnis altislándischer Literatur und Kultur be-
deutet. W. H.
XX. BÚCHERBESPBECHUNGEN
SIGFÚS BLÖNDAL und SIGURÐUR SIGTRYGGSSON. Alt-Island im Bilde.
Verlag Eugen Diederichs, Jena 1930. Kart. RM. 7.50.
Aus einigen 30 Seiten Text und 80 Seiten mit etwa 140 Bildern besteht dieses Buch,
das ich nicht anstehe, als eins der besten Biicher iiber Volkskunst und Volkskunde
zu bezeichnen, die je geschrieben worden sind. Unter dem bescheidenen Titel „Alt-
Island im Bilde" liaben die beiden Verfasser ein Werk geschaffen, von dem man nicht
weifi, ob die knappe, doch völlig zureichende Einleitung, die Erklarungen zu den Bildern
oder diese selbst mehr zu bewundern sind. In grofien klaren Linien umreiBt die Ein-
leitung die ganze Geschichte Islands von seiner Entwicklung um die Wende des 9. Jahrh.
bis zur Gegenwart. Das Bildmaterial ist in 10 groBe Abschnitte geteilt; sie umfassen
das gesamte Kulturleben des islandischen Volkes und zeigen es 1. in Wohnung, Haus-
rat und Arbeitsgerát, 2. in Trachten, Waffen und Schmuck, 3. in seinen Göttertempeln
und Kirchen, 4. im Schrifttum, 5. in seinen Musikinstrumenten, 6. in seiner Gesetz-
gebung und Rechtspflege, 7. und 8. im Fischerleben und im Handel, 9. in seinen Reisen
und 10. endlich in Tod und Begrábnis. Die fiir sich selbst sprechenden Bilder werden
zum SchluB noch durch Erklarungen vervollstándigt, die kultur-, volks- und kunst-
geschichtlich von hohem Wert und gröBtem Interesse sind, weil sich Bild und Erklárung
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