Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1930, Side 108

Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1930, Side 108
wechselseitig auf das Glucklichste ergánzen. t)ber die Auswahl der Bilder und ihre Anordnung kann nur Lobendes gesagt werden. Mit feinstem Verstándnis sind die charakteristischen Landschaftsbilder gewáhlt, diesen folgen die Siedlungen von fruhester Zeit an und die Bewohner und ihre Lebens- und Arbeitsgewohnheiten. Aus Quellen, die vom 14. Jahrh. bis Mitte des 19. Jahrh. reichen, sind die Trachtendarstellungen zusammengetragen und bieten ein fast luckenloses Bild der Arbeits- wie der Fest- tracht, des persönlichen Schmuckes und der Verzierungen des mannigfaltigen Haus- rates. Úberaus reich ausgestattet ist der Absclinitt iiber Kirchenbau und kirchliche Kunst, die Göttertempel der Saga-Zeit, wie auch die Dome und Kirchen der spáteren Zeit finden in Anlage, Aufbau und Inneneinrichtung die liebevollste und weitgehendste Berucksichtigung, die sich sogar auf Grundrisse, Architektur, Innen- und AuCenschmuck erstreckt. Kirchliches Kultgerát, Wand- und Altarschmuck, geschnitztes Kirchen- gestuhl, Tore und Kanzel sind nicht vergessen. Das Schrifttum wird in Manuskript- seiten vom 13. bis zum 17. Jahrh. und in Búchern des 15. und 18. Jahrh. berúhrt. Gesetz- gebung und Rechtspflege finden in den Abbildungen der Thingstátten, sowie in hand- schriftlichen Gesetzbúchern, ferner in Abbildungen von Beerdigung und Erben ihre Ausdeutung. Fischerei, Handel und Wandel zeigen in einer ganzen Reihe von Bildern vom 16. Jahrh. ab ihre Entwicklung. Selbst das práhistorische mit Abbildungen aus der Saga-Zeit ist nicht vergessen. Ein Húgelgrab vor der Ausgrabung, sowie andere nach der Öffnung mit Skeletten und den charakteristischen Beigaben, wobei Pferde- knochen nicht fehlen, ein anderes mit Boot und den ublichen Beigaben bilden den ScliluB des Werkes. Das Buch ist eine volkstúmliche, wissenschaftliche Arbeit aus einem GuB, dessen Besitz jedem Freunde germanischer Geschichte, Volkskunst und Volkskunde Freude bereiten wird. Es sollte vorbildlich sein fúr unsere sich zur Zeit háufenden Publikationen dieser Art. Dem Verlag ist fúr die wúrdige und buchtechnisch vollendete Ausstattung an dieser Stelle ebenfalls aufrichtigst zu danken. Eisenach IV. Stclíies BRUUN, DANIEL. Fra de færöske Bygder. Samlede Afhandlinger. Köbenhavn 1929. Dem dánischen Archáologen Daniel Bruun verdankt der Fáröer-Reisende nicht minder wie der Islandfahrer eine Anzahl vortrefflicher Schriften, die in knapper Darstellung eine reiche Fúlle von Aufklárungen uber Land und Leute jener interessanten Inseln geben. Dem zusammenfassenden Islandbuche von 1928, das wir in unseren Mitteilg., Jahrg. x6, S. 68 erwáhnten, ist jetzt ein áhnlichesWerk úber die Fáröer gefolgt. Seinln- halt bezieht sich demTitel entsprechend vornehmlich auf archáologisch-kulturgeschicht- licheDarstellungen.insbesondereBau-undWohnweise, Erwerbstátigkeitusw.derFáringer, berúhrt aber auch vielfach Geschichte, Geographie und allgemeine Landeskunde; das Buch wird dadurch zu einem wertvollen Fúhrer fúr jeden Besucher der Fáröer, die der Verfasser seit 1896 oft besuchte und in ihrer wirtschaftlichen und kulturellen Ent- wicklung bis zur Gegenwart mit Liebe und Verstándnis verfolgt hat. Das mit vielen trefflichen Abbildungen versehene Werk verdient uneingeschránkte Empfehlung. H. E. JON HELGASON (Professor). Málið á Nýja Testamenti Odds Gottskálkssonar (Safn fræðafjelagsins um Tsland og 'Islendinga. Bd. 7). Kaupmannahöfn 1929. Die islándische Úbersetzung des Neuen Testaments durch den Islánder Oddur Gott- skálksson erschien 1540 zu Roskilde in Dánemark als das erste jemals in islándischer Sprache gedruckte Buch. Was bereits frúher auf Island gedruckt worden war (Bre- viarium Holense, 1534 usw.), war in lateinischer, nicht in islándischer Sprache ver- faBt. Die vorliegende gelehrte Abhandlung behandelt im wesentlichen das inter- essante Sprachgebilde der islándischen Úbersetzung; sie ist aber nicht allein philo- logisch von hohem Werte, sondern bringt auch reiche und beachtenswerte Beitráge zur Geschichte und Bibelkunde, die ein Studium des bedeutsamen Werkes auBerordent- lich lohnend machen. H. E. 138
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