Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1930, Side 111
Islándische Ringkámpfer (Glímumenn) besuchten im September 1929 Deutschland,
traten in verschiedenen Stádten auf und ernteten íiberall durch Vorfiihrung der
islándischen „glíma" Beifall.
Zum Direktor des Gymnasiums zu Reykjavík wurde als Nachfolger von Geir Tómasson
Zoega der junge islandische Naturforscher Pálmi Hannesson ernannt.
Eine Besteigung des Snæfellsjökull bis zum höchsten Gipfel gelang am 21. Juli 1929
dem Islánder Jón Kristgeirsson in gerader Linie von Sandur aus.
Eine naturwissenschaftliche Exkursion zum Hornafjörður unternahm im Sommer 1929
eine Anzahl islándischer Studenten unter Leitung der Geologen G. G. Bárðarson und
Pálmi Hannesson. Sie besuchten von Holtar aus den Fláijökull, einen Ausláufer des
Vatnajökull, und eine ölkelda (Kohlensáurequelle) bei Hoffell, bestiegen den Gletscher
Hoffellsjökull, dessen Abwásser das Hornafjarðarfljót bilden, besichtigten die Doppel-
spatmine im Tal östlich des Hoffells, bestiegen das Meðalfell und wanderten den Skarðs-
fjörður entlang bis Horn, in dessen Náhe das Gebirge aus den auf Island seltenen Ge-
steinen Gabbro und Granophyr besteht.
Die Einwohnerzahl derislándischen Siedlungenuber ioooSeelen betrug nach der neuesten
Angabe (1929): Reylcjavík 25217, Hafnarfjörður 3351, Akureyri 3348, Vestmannaey-
jar 3331, 'Isafjörður2267, Siglufjörður 1760, Akranesuói, Nes í Norðfirðinos. Diese
Orte sind sog. Kaufstádte (kaupstaðir) mit Ausnahme von Akranes, das zu den sog.
Handelsniederlassungen (verzlunarstaðir) gehört. Islands Gesamtbevölkerung von zur
Zeit rund 105 000 Einwohnern verteilt sich mit rund 53 000 auf zus. 23 Siedlungen
von mehr als 300 Bewohnern, und rund 52 000 auf kleinere Ansiedlungen und Einzel-
gehöfte auf dem Lande.
Von islándischen Studenten studieren zur Zeit drei an der Universitát Hamburg, dar-
unter ein Sohn des islánd. Naturíorschers Bárðarson. Auch die Universitát Wien
besuchen jetzt drei islandische Studenten.
Aus J. C. Poeslions NachlaB besitzt die Landesbúcherei in Reykjavík seit 1924 zwei
umfangreiche, bisher unveröffentlichte Handschriften: Kulturgeschichtliche Wande-
rungen auf Island, und ein Deutsch-Islándisches sowie Islándisch-Deutsches Wörterbuch.
Zu den dichterischen deutschen Bearbeitungen islándischer Stoffe, die P. Herrmann
seinerzeit aufzáhlte (vgl. unsere Mitt., Jg. 8, S.31 ff., auch Jg. 6, S. 44 und Jg. 16, S. 15)
sind hinzuzufúgen die Dichtungen von Karl Engelhard: Spruche des Hohen, Hanau
1906; Heilwag, eddische Lieder, StraBburg 1907; Nornengast, nordische Balladen,
StraBburg 1910. Einige von Engelhard angekúndigte Dichtungen (Brunhild, eddische
Tragödie, und Helgi, eddisches Drama) scheinen nicht in Druck erschienen zu sein.
Vom TJxahver in Nord-Island und der prachtvollen Vulkanruine Hcrðubreið im 'Odá-
ðahraun úberlieB uns unser Mitglied Dr. Wolski einige ausgezeichnete Bilder, die er
auf seiner vorjáhrigen Islandreise aufnahm, und die wir vorliegendem Hefte bei-
fugen.
Einfuhr und Ausfuhr Islands, die 1923 sich auf 50,7 und 58 Millionen Kr. beliefen,
betrugen 1928 nicht weniger als 60 und 74,3 Millionen Kr.
Am 8. Nov. 1929 hielt die islándische archáologische Gesellschaft (liið íslenzka fornleifa-
félag) eine Festsitzung zur Feier ihres 50 jáhrigen Bestehens. Die 42 Jahrbúcher, die
in dieser Zeit erschienen sind, geben ein Bild von der reichen Tátigkeit, die diese Ver-
einigung entfaltet hat; dabei ist besonders zu bemerken, daB die meiste Arbeit in selbst-
loser Hingabe ohne oder mit ganz unzureichender Bezahlung geleistet worden ist.
Die Herausgabe des Jahrbuchs wurde durch eine Aldingsunterstútzung, die jetzt 800 Kr.
jáhrlich betrágt, erleichtert. Neuerdings hat die Gesellschaft auch die Ortsnamenfor-
Scbung in ihr Arbeitsgebiet eingeschlossen. — Der Beitritt zu diesem Vereine ist dringend
zu empfehlen. Jahresbeitrag 5 Kr. und dafúr das mindestens den Betrag deckende
Jahrbuch.
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