Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1930, Blaðsíða 59
Treibkolz nach den Höfen am 'Isafjarðardjúp zu holen. Die Selá ent-
springt aus dem Skjaldfannardalur, und durch dieses Tal bestieg Frisak
1806 und Shepherd 1862 den Gletscher.
Nördlicli von 'Armúli schneidet, ein kleiner, lánglich runder Fjord, Kal-
dalón, nordöstlich in das 'Isafjarðardjúp ein, auf beiden Seiten von steilen
Halden mit Gletschermoránen umgeben; nach dem Fjordende erstreckt
sich ein breiter, schmutziger, grauer Schreitgletscher (skriðjökull, Gletscher-
zunge) desDrangajökull. DerFjord ist jetzt so von Gletscherschutt ausge-
fiillt, daB man ihn bei einiger Vorsicht durchreiten kann; die Gefahr, in
dem weichen Schlamm stecken zu bleiben, besteht eigentlich nur an den
beiden Ufern. Der Bauer in Lónseyri, wo wir mit den Gáulen landeten,
war besorgter um uns gewesen als wir selbst. Hier sollen friiher noch zwei
andere Höfe gestanden haben, Dónhóll, ziemlicli weit innen im Fjord, und
Trimbilsstaðir, östlich (siidlich) vom Fjord. Aber diese Gehöfte sind seit
niehreren Jahrhunderten von den Gletscherfliissen ganz zerstört worden.
Die Halden am Fjord dienen jetzt den Schafen zur Sommerweide und bieten
wie das Vorland, trotz des vielen Schnees, ihnen ausgezeichnetes Gras.
Im Winter freilich, wenn die Berge vom Gipfel bis zum Strande herab
von dichten Schneemassen eingehiillt sind, miissen die Schafe ungewöhn-
lich lange im Stalle bleiben.
Der letzte Weg bis Unaðsdalur ist bös: Klotziges Geröll, Schnee, Sumpf-
und Schmelzwasser wechseln unangenehm miteinander ab; unablássig
geht es in die Höhe und wieder hinab an die Kiiste. Um die reiBende, mit
grofien Steinen angefiillte Dalsá unterhalb des Hofes zu iiberschreiten,
HiuBten wir schliefilicli noch ein Stiick in das Meer hineinreiten bis zu einern
augeschwemmten GruJ3haufen.
Unaðsdalur liegt sehr lieblich auf halber Höhe einer Halde, der Schnee
reicht noch bis an das Tún, 10 Minuten vom Hof liegt eine Kirche. Hier
Uakm Oláfr jafna Dand, von der Dangadalsá bis zur Sandeyrará, und von
da bis zur Gýjarsporsá im Hrafnsfjörður nahm Þórhrólfr fasthaldi Uand
(Und. III, K. 31). Dem Hof gegeniiber liegt die Insel Æðey, die jáhrlich
fiir 6000 Kronen Eiderdaunen liefert; unser Wirt Kolbeinn Jakobsson
wuBte noch genau, daB er 1886 Thoroddsen hiniiber gerudert hatte. Wunder-
voll ist der Blick von der gelbgriinen Hauswiese iiber das blaue Meer nach
den 7 Fjorden des 'Isafjarðardjúp. Die zwischen den einzelnen Buchten
liegenden, steilen, regelmáfíig gebildeten, oben flachen Basaltfelsen mit
fast horizontalen Schichten gleichen von weitem ungeheueren Sárgen;
der bis an den Ful3 der Berge reichende Schnee gemahnt an. riesige, weiBe
Fahrtiicher, die iiber die Katafalke gebreitet sind und bis tief unten herab-
hángen.
101