Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1930, Blaðsíða 45
ausgeprágt. Allein es zeigt sich, wie schon erwáhnt, daB das áquatorial ge-
richtete siidislandische Gebiet weit gröfiere Förderleistung in der Gegenwart
aufweist, als das quer dazu gestellte ostislandische System, woraus man
vielleieht den SchluB ziehen darf, dafi meridional wirkende Druck- oder
auch Zerrungskráfte in Island wesentlich stárker am Werke sind als ost-
westlich gerichtete.
Wir sind noch weit davon entfernt, eine befriedigende Erklárung der
erwáhnten Unterschiede beider islándischen Vulkansysteme geben zu kön-
nen. Aber es tritt doch klar zutage, dafi die geographische Methode in Ver-
bindung mit der volumetrischen zu Problemstellungen fiihrt, die Anregung
zu fruchtbaren Spekulationen iiber die grundlegenden Fragen des Vulka-
nismus geben können.
X. DIE THINGSTÁTTE DER BORGFIRÐINGAR
Von E. Mogk
Mein Fiihrer Ögmundur Sigurðsson hatte mir mitgeteilt, daB nach
Ansicht des Bonden von Grímsstaðir die Thingstátte der Borgfir-
ðingar in der Náhe dieses Gehöfts liege; alles spreche dafiir. Dann wáre die
alte Auffassung erschiittert, daB Thinghóll weiter östlich in der Náhe der
Gljúfrá an diese Thingstátte erinnere1. Die beiden Stellen in den Sagas,
wo diese Státte erwáhnt wird, scheinen nicht gut in Einklang zu bringen
zu sein. Auch die vorgeschlagenen Verbesserungen haben nicht allseitig
befriedigt. Auf dieser Thingstátte spielte sich der ProzeB zwischen Steinar
Önundarson und Thorstein Egilsson ab. Wáhrend verhandelt wird, kommt
der alte Egil, der seine Wohnstátte in Mosfell airfgeschlagen hatte, von Nes
aus seinem Sohne mit 80 Mann zu Hilfe. Diese sahen die Eeute auf dem
Thinge die Gljúfrá entlang reiten. Hieraus hat man geschlossen, daB die
Thingstátte in der Náhe der Gljúfrá gelegen habe (Egilss. Kap. 81). Hier-
mit láBt sich die Stelle der Gunnlaugssaga (Kap. 2) nicht vereinen. Darnach
hatte Thorstein auf Borg erfahren, daB seine Zeltwánde auf der Thing-
státte, die sich damals „undir Valfell“ befand, eingefallen wáren. Er er-
sucht deshalb den Norweger Bergfinn, der bei ihm den Wihter úber ge-
wohnt hatte, mit ihm nach der Státte zu reiten. Dieser willigt ein. Gemein-
sam begeben sich beide zunáchst nach ,,at Grenjum“, wro Thorstein seinen
Páchter Atli veranlaBt, Spaten und Hacke mit sich zu nehmen und mit
zur Thingstátte zu gehen. Diese muB also zwischen at Grenjum und den
Habichtsbergen gelegen haben. Eetztere sind aber die Anhöhen, die sich
unweit Grímsstaðir westlich derLangá hinziehen. Sie haben ihren Namen
1 Kálund, Bidrag til en hist.-topogr. Beskrivelse af Island I; 368 ff; Sigurð Sig-
fússon, 'Arb. h. islenzka Fornleifafjel. 1886. S. 2.
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