Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1930, Side 89

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Es geht auf und ab, noch dazu in einem Gelande, das in östlicher Richtung durchquert wird, wahrend zahllose Flufiláufe in sudlicher Richtung ziehen, so dafi also ein Flufital nach dem anderen uberschritten werden mufi. Was das bei dem wechselnden Wasserstand der Gletscherbáche bedeutet, braucht nicht náher ausgeftihrt zu werden. Diese Eisenbahn, die, wenn sie gebaut wúrde, auch heute noch die erste Eisenbahn auf Island wáre, kann also kaum mit den Eisenbahnlinien Kontinentaleuropas irgendwie verglichen werden. Wollte man bei uns unter solchen Voraussetzungen eine Eisenbahn bauen, dann wúrde der Erbauer höchstwahrscheinlich in eine Nervenheilanstalt verbracht werden, weil seinem Projekt tatsáchlich jegliche positive Voraussetzung fehlen wúrde: grofien technischen Schwierigkeiten stánde eine so minimale Volksdichte gegenúber, auf Grund deren man nirgends in der Welt einen Eisenbahnbau riskieren wtirde. Die zwischen Reykjavík und Rangár- vellir vorgenommenen Verkehrszáhlungen, die sich auf alle Reisenden, alle Wagen, beladenen und unbeladenen Pferde usw. erstreckten, haben Ziffern ergeben, die, auf das ganze Jahr umgerechnet, zur Not gerade noch fúnfstellig wurden; und das ist auch weiter nicht verwunderlich, da das gesamte, von der Eisenbahn erfafite Gebiet heute vielleicht 30 bis 35 000 Seelen záhlt. Natúrlich hat man sich die Ausftihrung der Eisenbalin denn auch so einfach wie möglich gedacht: Wenig umfangreiche Bahnhofsanlagen, schmale Spur (1 m), um hohe Neigungen und enge Kurven zu ermög- lichen, einfache Betriebsmittel usw. Trotzdem hátten sich Baukosten ergeben, die im islándischen Staatshaushalt bisher unbekannt gewesen waren, und man versteht es daher, dafi die Mehrheit im Althing den Eisenbahnbau wiederholt als zu teuer und unrentabel abgelehnt hat. Ob in der Sache das letzte Wort gesprochen ist, möchte ich immerhin bezweifeln; ich glaube vielmehr, dafi bei weiter zunehmender Bevölkerung und Industrialisierung des handes (Ausnutzung der Wasserkráfte) die Eisenbahnfrage immer wieder zur Erörterung stehen und schliefilich doch eine Lösung in positivem Sinne heischen wird. III. Luftverkelir Kann man heute tiberhaupt schon ein Kapitel mit dieser Ííberschrift, wenn es Island betrifft, schreiben? Ich gebe zu, dafi hier noch reichlich viel Zukunftsmusik hineinklingt. Aber die Verháltnisse gerade in der Nachkriegszeit zeigen, dafi dieser Verkehrszweig úber die Anfangsstufen seiner Entwicklung noch kaum hinausgekommen ist, wir also noch viel ^u erwarten haben. 123
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