Mitteilungen der Islandfreunde - 01.06.1932, Qupperneq 25

Mitteilungen der Islandfreunde - 01.06.1932, Qupperneq 25
Nicht ach scharfet das Eisen. Auf nicht den Boden schaufelt. LaCt ab von leidem Werke: leben will ich unter Menschen!" Diese Verse sind eine gute Erfindung, und der Dichter, wer er auch gewesen sein 111 a8. besaB auf alle Fálle starkes Einfiihlungsvermögen. tief eingewurzelt ist dem Islander die Freude am Vers und am Dichten, daB er iiber das Leben der Lebendigen hinaus seine Strophen in die Geisterwelt hinein- *ragt- Traumgestalt und Gespenst láBt er mit Vorliebe ihre Weissagungen und Dro- hungen in Strophen aussprechen. Aber wie all diese Spukgeschichten fiir uns voller Eragwurdigkeit sind, so auch ihre Lausar Vísur. Hat man sie wirklich gehört, wie uian den Spuk sah ? TJnterschob man die Weise ? Oder war Vers und Gespenst die ■^uslösung der inneren Spannung dieses in sich verschlossenen, mit GefuhlsáuBerungen So sehr sparsamen Volkes. Bremen Lore Huchting VII. DIE ISLÁNDISCHE SAMMLUNG DES MUSEUMS FÚR YÖLKERKUNDE IN HAMBURG Im Sommer 1927 ging ich im Auftrage des Museums fur Völkerkunde in Hamburg uach Island, um dort fiir dasMuseum geeignete Gegenstánde zu sammeln. Im Sommer r929 war ich als Stipendiat der Notgemeinscliaft der deutschen Wissenschaft zu volks- ^undlichen Studien in Island und konnte hierbei die Sammlung von 1927 fortsetzen. Hie Sammlung beschránkt sich auf die materielle Kultur. Aus den volkstiimlichen ^Weigen der hochstehenden geistigen Kultur: Volksbildung, Volksdichtung, Volks- glauben usw. — habe ich zwar mitgenommen, was ich auf meinem Wege fand, aber lcb habe es nicht in diese Sammlung aufgenommen, weil es nur geringes Stiickwerk Ist. ohne jede Bedeutung neben der groBen Menge dessen, was im Lande seit Jahr- ^Underten gesammelt und aufgespeichert ist. Zum Sammeln des alteinheimischen volkskundlichen Gutes in Island ist es jetzt ^re letzte Stunde. Die ganze islándische Lebensweise ist seit ein oder zwei Menschen- altern in voller Umwandlung, auf íast allen Gebicten dringen fremde Gebrauchs- Segenstánde, meist billige industrielle Massenware an die Stelle der bodenstándigen alten, die achtlos beiseite geworfen und schnell vergessen werden. Einiges, was vor 5° Jahren noch allgemein gebrauclit wurde, scheint heute selbst sclion aus den ent- *egensten Winkeln des Landes verschwunden zu sein. Der Islánder ist zur Aufnahme v°n Fremdem und Neuem weit schneller bereit als der Deutsche, zumal der Sud- ^eutsche. Vielc islándische Bauern haben es mir nicht recht glauben wollen, daB man In Ueutschland noch Sensen sehen kann. DaB es bei uns in vielen Landschaften noch bpinnráder und Webstuhle gibt, daB noch Striimpfe mit der Hand gestrickt und bferde vor Wagen gespannt werden, ist ihnen unbegreiflich. Vpm Reit- und Pack- pferd geht es gleich zum Automobil, die Stufe des Wagens wird ubersprungen, vom °ffenen Ruderboot zum Fischdampfer, von der Rasenmauer zum Beton, von dor Selbstgesponnenen groben Wolle zur Kunstseide, vom primitiven Schuh aus unge- gerbtem Schaffell zum Gummisticfel, vom Ritt durch den GletscherfluB auf schwim- nienden Pferden zur eisernen Brticke. Auch die Gebiete, auf denen íur fremde Ein- flösse wenig Platz zu sein scheint, wie Schafzuclit und die Hochweidenwirtschaft, werden langsam mit umgewandelt1. Eine planmáfiige Sammlung des materiellen volkskundlichen Gutes in Island gab es kaum. Das groBe volkskundliche Museum in Reykjavlk (þjóðminjasafn; meist ferugripasafn „Altertumssammlung" genannt) enthált zwar eine sehr reiche und Nnr die Sprache und die Dichtung widerstehen dieser tjberfremdung und halten Sích rein und gesund. 83

x

Mitteilungen der Islandfreunde

Direct Links

Hvis du vil linke til denne avis/magasin, skal du bruge disse links:

Link til denne avis/magasin: Mitteilungen der Islandfreunde
https://timarit.is/publication/323

Link til dette eksemplar:

Link til denne side:

Link til denne artikel:

Venligst ikke link direkte til billeder eller PDfs på Timarit.is, da sådanne webadresser kan ændres uden advarsel. Brug venligst de angivne webadresser for at linke til sitet.