Mitteilungen der Islandfreunde - 01.06.1932, Qupperneq 27

Mitteilungen der Islandfreunde - 01.06.1932, Qupperneq 27
Nadel beim Nahen von Lederkleidung, und anderes mehr. Schenkelknochen von Pferden °der Kuhen sind friiher hier und da als Schlittschuhe gebraucht worden. Sie wurden hur etwas geglattet und durch die Enden Löcher fiir die Schniire oder Riemen gebohrt. Ganz anders als in Deutschland werden zum Beispiel die Felle verarbeitet. Sie "■'crden nicht gegerbt, sondern höchstens — und zwar nur die Schaffelle, nicht die Pferde- und Kuhliiiute — durch Schlagen oder Reiben uber einen rauhen Gegenstand1 °^er nur durch Reiben in den Hánden weich und locker gemacht. Meist geschieht hicht einmal dies, so daB das Leder2, wenn es trocken ist, hart wie Glas wird. Die lslándischen Schuhe mússen darum immer etwas feucht gehalten werden. Gern nimmt man fur sie deshalb Seehundsfell, das wegen starken Fettgehaltes langsamer hart wird3. Dies als Beispiel, wie mannigfaltig die Materialkunde als Grundlage der islándischen Volkskunde ist. Die wichtigsten in die Sammlung einbezogenen Gebiete sind folgende: Hafenanlage und Hausbau, Ernáhrung (besonders Brotbereitung und Milchverwendung), Kleidung (besonders die Frauentrachten), Haus- und Kúchengeráte und GefáBe, Pferdegeschirr und Sattelzeug, Werkzeuge. Wollgewinnung und -verarbeitung, Spinnen und Weben (besonders die ver- schiedenen Arten der Buntweberei und das Weben von Bándern und Gurten ohne Webstuhl, mit oder ohne Brettchen; auch Buntstickerei), Fárben der Wolle (besonders mit heimischen Pflanzenstoffen), Flechten von Schnúren, Bándern, Seilen und Gurten aus Wolle und RoBhaar, Schnitzerei (besonders die zum Schnitzen ausgebildeten Schriften), Die alte (jetzt verschwundene) Drechslerei, Herstellung von Hornlöffeln, Schafzucht (besonders die Hochweidewirtschaft), Heugewinnung, Fischfang (besonders die eingegangenen Formen des Walfisch- u. Haifisch- fanges), Vogelfang, Weg- und Transportverháltnisse. Sehr kurz gekommen sind besonders der Bootsbau, das Korbflechten, das Kinderspiel- zeug. Von Vollstándigkeit ist die Sammlung weit entfernt. Auch im zweiten Sommer habe ich noch manches kennengelernt, von dem ich vorher nie gehört hatte, und von vielem habe ich gehört, dessen ich nirgends liabhaft werden konnte. Naturlich ist auch nicht wenig úbersehen geblieben. Auch die Schwierigkeiten, die erworbenen Gegenstánde fortzubringen, haben mich gezwungen, von der Erwerbung mancher Sachen abzusehen, besonders im verkehrsentlegenen Nordwesten, gerade dort, wo hoch das meiste Alte erhalten ist. Ich war zu FuB und konnte nicht 4 oder 6 Tage Wit einem mehr als meterlangen geschnitzten Brette auf der Scliulter laufen, konnte keine Múhlsteine in den Rucksack tun. Jede andere Beförderung zum náchsten Hafen oder Poststation war aber entweder sehr teuer oder sehr schwierig und kostete vor allem viel Zeit. 1 Dieser Gegenstand, meist ein Horn, heiBt brák; das Wort ist sehr alt, es ist das- selbe wie die norddeutsche Brake (Flachsbreche); die Wörter gehören zu brechen; tatsáchlich wird sowohl das Leder wie der Flachs mit ihm gebrochen. — Diese Behand- lung des Felles heiBt að elta. 2 Es ist eigentlich kein Leder, die Islánder nennen es uur skinn (vom Schaf) oder húð (von Pferd und Rind); leður brauchen sie nur fúr das eingefuhrte gegerbte Leder. 3 Auch das rauhe Fell des Haifisches und die dúnne Haut des Austernfisches (steinbítur) werden stellenweise fúr Schulie gebraucht. 85

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