Mitteilungen der Islandfreunde - 01.06.1932, Blaðsíða 32
VIII. ISLAND IN DER WELTWIRTSCHAFTSKRISE
Die groöe internationale Wirtschaftskrise, die gegenwártig auf fast samtlichen
Völkern der Erde lastet, hat die kleine islandische Volkswirtschaft nicht ver-
schont. Hier soll gezeigt werden, wie die wichtigsten áuBeren Symptome der Welt*
wirtschaftskrise in den Abnahmelándern der islándischen Ausfuhr (Absatzstockungen.
Preissturze, Arbeitslosigkeit und die damit verbundene Kaufkraftschrumpfung) die
Krise in der islándischen Volkswirtscliaft ausgelöst haben. Es soll also die Behauptung
aufgestellt werden, daB die Krise von aufien her iiber Island gekommen, nicht abef
aus Störungen, die innerhalb der Wirtschaft des Landes vorhanden waren, entstanden
ist. Wohl muB zugegeben werden, daB gewisse innerwirtschaftliche Faktoren die
islándische Krise zu verschárfen vermochten; sie diirften aber kaum als Urhebef
derselben anzusehen sein. Es handelt sich hier hauptsáchlich um zwei Tatsachen-
komplexe, die als krisenverscharfend bezeichnet werden miissen: die vielumstrittene
Investitionstátigkeit der öffentlichen Hand seit 1927, und zum anderen eine höcbst
beachtenswerte strukturelle Entwicklung der islándischen Wirtschaft. Eine Ent-
wicklung, die schon sehr alt ist, die aber erst im Laufe der letzten zehn Jahre deut-
lich zum Ausdruck gekommen ist: die immer gröBer werdende Vorherrschaft def
Fischerei gegenúber der Landwirtschaft.
í)ber die Investitionstátigkeit der öffentlichen Hand sei das folgende gesagt: W1
Jahre 1927 fanden die Wahlen zum Alding statt, die einen Regierungswechsel zuf
Folge hatten. Die konservative Partei (íhaldsflokkur), die die vorhergehende Wahl'
periode am Ruder gewesen war, muBte vor der Fortschrittspartei (Framsókn) zuriick-
treten. Mit diesem Regierungswechsel kam die gesamte Politik des Landes in eine
vollkommen andere Bahn. Wenn man von der ersten Regierung hátte sagen können,
daB sie die Interessen der Fischerei und der Stadtbevölkerung besser vertrete, so darf
man von der Bauernregierung behaupten, daB sie die landwirtschaftlichen Interessen
mehr berucksichtigt.
Wer auf Island gewesen ist, weiB, daB die Abgeschlossenheit vieler Bauernhöfc.
das Fehlen von StraBen und Brúcken, mit einem Worte die Schwierigkeit fúr die
islándischen Bauern, ihre Produkte auf den Markt zu bringen, das gröBte Hindernis
fúr das Gedeihen der Landwirtschaft gewesen ist. Dies hatte die neue Regierufif?
erkannt und handelte danach. Das Alding bewilligte in diesem Jahre, ermutigt vofi
dem wirtschaftlichen Aufstieg im ganzen Land, Geldsummen in vordem unerhörtef
Höhe fúr die Förderung des Verkehrswesens, auBerdem noch fúr viele andere Unter-
nehmungen. Es seien hierfúr einige Beispiele gegeben: Aus der Staatskasse wurdeu
z. B. fúr StraBenbau folgende Summen bezahlt:
1925........ 450 000 Kr.
1927........ 807 240 ,,
1928..........1 191 139 ,,
1929..........1 555 435 „
1930..........2 125 432 „
discher Volkskunde, imstande sein wird, sich bei der Lektúre einer Islándersaga eifi
klares Bild z. B. von den Ereignissen zu machen, die auf Höfen spielen.
Eine sorgfáltige volkskundliche Sammlung wird auch fúr die Lexikographie wichtig
sein. Obwohl das ausgezeichnete Wörterbuch Blöndals eine reiche Fundgrube fúr deu
Volkskundler ist, fordern anderseits die zum vollen Verstándnis vieler Wörter nötige°
ausfúhrlichen Erklárungen und Zeichnungen die Hilfe der Volkskunde. Der Wörter-
buchsammler kann schwerlich auch dies alles bewáltigen (allerdings bringt Blönda'
schon zu vielen Wörtern sehr gute Erklárungen). Wie wichtig die Zeichnung fúr d>e
Lexikographie ist, zeigen die leider sehr wenigen Bildtafeln am SchluB des Blöndal-
schen Wörterbuches.
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