Mitteilungen der Islandfreunde - 01.06.1932, Blaðsíða 35
s ands verscharft (Zölle, ganze oder teilweise Einfuhrverbote usw.). Alles dies fiihrt
zu, daB die verschiedensten Krisensymptome bis zur Erscheinung der Arbeits-
■ S1®keit in der islandischen Wirtschaft sichtbar geworden sind. Um das Bild der
andischen Wirtschaftskrise klarer darzustellen, soll hier der Versuch gemacht wer-
n- der Entwicklung dieser Depression auf statistisch-empirischem Wege náher-
znkornmen. Dies ist allerdings nur in groben Zugen möglich, da uns wichtiges Zahlen-
^aterial noch nicht zur Verfilgung steht.
E>ie wirtschaftlichen Schwierigkeiten kamen, wie schon erwahnt, auf Island zuerst
zum Ausdruck durch die wertmafiig verringerte Ausfuhr. Die zwei folgenden Tabellen
eSen den Wert der Ausfuhr und der Einfuhr wahrend der letzten fiinf Jahre dar:
Eie Ausfuhr betrug (in 1000 Kr.) Die Einfuhr betrug (in 1000 Kr.
1931 • 45 423 1931 43 °o°
1930 • 57060 1930 ....... 62 765
1929 . 69 400 1929 67 314
1928 • 74 283 1928 51 420
1927 • 57 451 1927 44 651
(Quelle: „Hagtíðindi" und „Skýrsla Gengisnefndar".)
Zahl iiber die Einfuhr des Jahres 1931 steht noch nicht endgultig fest. Januar
ls Dezember: 40 Millionen Kr.
Eiese Zahlen zeigen eine typische Erscheinung der Krise: Die Schrumpfung des
•^ufienhandelsvolumens. Bei der Ausfuhr handelt es sich um eine abwartsstrebende
Antwicklung seit 1928, vor allem sind die Riickgange wahrend der Jahre 1930 und
rapide. Es sei hier bereits angedeutet, daB dieses Sinken der Ausfuhr in erster
™|uie auf ungiinstige Bewegung der Preise, nicht der Mengen, zuruckzufuhren ist.
le Entwicklung der Einfuhr spiegelt in groBen Zugen die der Ausfuhr. Allerdings
Slnd diese Bewegungen insofern nicht parallel, als eine vergröBerte oder verminderte
■^■Usfuhr nicht unmittelbar auf die Einfuhr zuriickwirkt. Es liegt meistens eine Spanne
V°n einigen Monaten dazwischen. Die Jahre 1928/29 bringen dies zum Ausdruck.
_uer auch das Jahr 1930 zeigt deutlich, daB eine verminderte Ausfuhr nicht immer
eine Verminderung der Einfuhr zur Folge hat. Das Jahr 1930 ist, wie aus den Zahlen
ersichtlich ist, das einzige in dieser hier in Frage kommenden Periode, das eine passive
llaudelsbilanz aufzuweisen hat. Diese Passivitat war jedoch z. T. vorauszusehen,
da die Tausendjahrfeier 1930 einen riesigen Fremdenverkehr auf Island mit sich brachte
'Was ja Erhaltung der Einfuhr bedeutet). Ein besonderer Grund íur die groBe Ver-
®lnderung der Einfuhr im Jahre 1931 liegt in den islandischen Einfuhrverboten einer
ceihe von Waren. Diese Einfuhrverbote, die seit Ende Oktober 1931 in Kraft sind,
'vurden in erster Linie erlassen, um eine Aktivitat der Handelsbilanz zu erzielen.
Es ist eine Eigenart der islandischen Wirtschaft, daB Preisruckgange der Produkte
Uícht ohne weiteres auch eine Einschrankung der Produktion im Gefolge haben (bei
den Industrielandern ist dies bekanntlich anders). So ist es verstandlich, daB einem
Verringerten Erlös oft eine vergröBerte Produktenmenge gegenuberstehen kann. Hier-
aus erklart sich ein anderes Symptom der islándischen Krise: dem gewaltigen Preis-
stur2 der islándischen Produkte steht in manchen Fállen eine gleichzeitige Vorrats-
uuháufung gegenuber. Hierflir einige Beispiele, und zwar aus der Fischerei:
Eie Produktion an Stockfischen Die Vorráte an Stockfischen
betrug in 1000 kg betrugen in 1000 kg
r93r • • • .... 64 654 I93r • 19 913
r93° . . . .... 70574 1930 .
r929 • • • 1929 • 8 430
1928 . . . .... 65 596 1928 . 7217
(Quelle: Skýrsla Fiskifjelagsins und Skýrsla fiskimats manna.)
(Im Jahre 1931 sind die Vorráte wahrscheinlich in der Tat höher.)
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