Mitteilungen der Islandfreunde - 01.06.1932, Qupperneq 40

Mitteilungen der Islandfreunde - 01.06.1932, Qupperneq 40
deutsche Islandforschung 1930, erhalt der Katalog seine besondere Note dadurch, daB das Bibliothekswerk in direkter enger Zusammenarbeit mit Islandern entstanden ist. Er ist ein erfreuliches Zeichen deutsch-islandischer Zusammenarbeit. Wir freuen uns auch, daB der begeisterten Forschungs- und Sammeltatigkeit von Heimich Erkes in diesem Werk ein dauerndes Denkmal gesetzt worden ist. R. Prinz HALLDOR HERMANNSSON: Islandica, Vol. 21. The cartography of Iceland. Issued by Cornell University Library Ithaca. New York 1931. 81 S., 26 Taf. Das Erscheinen einer neuen Islandabhandlung aus der Feder Professor Halldór Hermannssons, des berufenen Hiiters der beriihmten Fiske-Islandicasammlung an der Cornell Universitat zu Ithaca im Staate New York, bedeutet fiir den Islandfreund jedesmal Freude und GenuB. Hermannssons Arbeiten enthalten alle nicht nur eine Fiille interessanter Mitteilungen und Hinweise, die auf umfassender Kenntnis der Quellen und Beherrschung der einschlagigen Literatur beruhen, sondern gestalten sich auch in ihrer Zusammenstellung und auf Grund reifen Urteils stets zu einem iiberaus klaren und iibersichtlichen Gesamtbilde des jeweiligen Gegenstandes. So auch das vorliegende neue Werk iiber Islands Kartographie, das als Band 21 der Jahres- zeitschrift „Islandica" erschien und dem Gedachtnis des groBen Islandfreundes Wil- lard Fiske zu seinem roojahrigen Geburtstag, 11. November 1931, gewidmet ist. Der erste, der Islands Kartographie einigermafien im Zusammenhang darzustellen versuchte, war C. U. D. Eggers in seiner groB angelegten, doch leider Torso geblie- benen, in deutscher Sprache verfaBten „Beschreibung von Island", Kopenhagen 1786; er besprach darin uber hundert Islandkarten mit dem Bemerken, daB sie fast alle ihm selbst vorgelegen hatten. Reichlich 100 Jahre spáter gab dann Th. Thoroddsen in seiner vierbándigen „Landfraeöissaga" oder Geschichte der islándischen Geographie (Bd. 1, Reykjavík 1892—96, Bd. 2—4, Kaupmannahöfn 1898—1904; Bd. 1 u. 2 ver- deutscht von Aug. Gebhardt, Leipzig 1897—98) an verschiedenen Stellen eine erwei- terte und bis auf seine Zeit gehende Ubersicht uber Islands Kartographie; sie hat '0. Davlösson in Tímarit h. í. bókmentafélags, der Zeitschrift der island. Literatur- gesellschaft, Bd. 14 (1893) nach Nordenskiölds und anderen Kartensammlungen teil- weise zu ergánzen versucht. Wie Thoroddsen betonte, iag es keineswegs in seiner Ab- sicht, in seiner Landfræðissaga das Thema erschöpfend zu behandeln; vielmehr wollte er nur das Wichtigste mitteilen und hoffte, bei einer spateren Gelegenheit vielleicht in einem Sonderwerke ausfiihrlicher dariiber zu schreiben. Leider war ihm dies bis zu seinem Tode (1921) nicht vergönnt. Nunmehr hat H. Hermannsson diese Aufgabe innerhalb des praktisch möglichen und wiinschenswerten Rahmens glánzend gelöst- Zwar bringt auch H., namentlich von den mittelalterlichen Karten, den Porto- lanen usw., auf denen Island vorkommt, keine liickenlose Aufzáhlung; er weist auf die auBerordentlichen Schwierigkeiten hin, das in vielen öffentlichen und privatcn Bibliotheken iiber ganz Europa und daruber hinaus verstreute Material einzusehen, und mit Recht auch darauf, daB das Ergebnis solcher umfassenden und kostspieligen Untersuchungen sich sachlich kaum lohnen wiirde. Immerhin mag zuktinftige For- scherarbeit noch die eine oder andere Frage kláren. Im ganzen aber hat H. nicht nur alles Wesentliche zusammengestellt, sondern vor allem die verschiedenen Karten- typen, in denen Island vorkommt, in ihrer Entstehung, Entwicklung und gegen- seitigen Beeinflussung wissenschaftlich grundlich erláutert und trotz mancher Schwie- rigkeiten durchweg einleuchtend erklárt. Vielleicht lieBe sich der Wert der Carta marina des Olaus Magnus, Venedig 1539, etwas höher einschátzen als es Hermannsson tut; vgl. dazu Mitt. d. Islandfreunde, Jahrg. 17, Festschrift 1930, S. 74—87. Sehí erwiinscht wáre auch H.s MeinungsáuBerung gewesen iiber die hypothetische Karte von Island-Grönland, Paris 1551, die So/us Larsen in seinem Buche „The discovery of North America twenty years before Columbus", Copenhagen/London 1925, aus- fiihrlich bespricht. Larsen glaubt diese Karte wie auch die Carta marina des Olaus Magnus, soweit sie Island angeht, auf die Angaben des amtlichen Reiseberichts zuruck- 98

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