Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1930, Qupperneq 2
b) DIE ALTEN ISLÁNDER
Sie -wollten den Nacken nicht neigen
Vor Haralds herrischem Haupt,
Sie wollten die Knie nicht beugen
Der Freiheit und Fhre heraubt.
Auf ihren geschnábelten Schiffen
VerlieJ3en sie trotzig das Land,
Sie wufiten mit felsichten Riffen
Einen öden, verlassenen Strand.
Sie brachten in eisiges Schweigen
Ihre Götter, ihre Freiheit, ihr Recht.
Sie wollten den Nacken nicht neigen,
Ein freies, ein stolzes Geschlecht.
c) ISLANDS LITERATUR
Schaut gegen Norden, wo ein Heldenvolk
Inmitten einer friedlichen Natur
Kultur sich schuf von seltsam herber Art.
In stetem Kampf mit Armut, Not und Tod
Gewohnt, sein Dasein záh sich zu ertrotzen
Durch kecken Mut und harter Arbeit Fron
Vergafi es nie des Geistes hohe Pflicht
Und was in friih’rer, lángstvergangner Zeit
Die Váter einst mit stillem Fleifi begonnen,
Mit stolzer Eiebe pflegt’s der Enkel Schar.
In weltvergess’nem Winkel, sturmumbraust,
Hart an der Arktis ewig stummem Bann
Bliiht eine Blume, rátselhaft und schön.
Voll herber Anmut, kraftvoll, schlicht und wahr,
So strahlt sie durch des Nordens stille Wiisten.
Der Felsenwildnis, der sie einst entsprang,
Verleiht ihr Zauber wundersamen Reiz
Und ewig klingt von ihrem Duft beseelt
Das hohe Eied von Reckentat und Ruhm
Von Fels zu Fels, durch Einsamkeit und Nacht.