Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1930, Page 3

Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1930, Page 3
II. WAS FEIERT ISLAND IN DIESEM JAHRE?1 Nach den zuverlassigsten Berechnungen ist das Jahr 930 das Jahr, in dem zum ersten Male ein islandisches Alding tagte. Damit hatte es aber folgende Be- wandtnis: In den Jahren 870—930 war Island besiedelt worden; die Ansiedler waren fast aus- schlieClich Norweger, die entweder unmittelbar aus der Heimat kamen oder vorher auf den Inseln nördlich und nordwestlich von England gewohnt hatten. Unter diesen Ansiedlern hatte die Familie des ersten Landnehmers, Ingolf der Áltere, das höchste Ansehen. Dessen Sohn Thorstein stand auch an der Spitze des ersten lokalen Zusammen- schlusses, des Kjalarnesdings. (Neben diesem hören wir von einem anderen, gleich- artigen ZusammenschluB, dem Thorsnesding.) Bald aber stellte sich die Notwendigkeit heraus, der gesamten neuen Ansiedlung eine staatliche Ordnung zu geben. Es lag nahe, daB man zu diesem Zweck die Verháltnisse in Norwegen zum Vorbild nahm (eine un- veranderte Úbernahme konnte nicht in Frage kommen). Es kann ein BeschluB des Kjalarnesdings gewesen sein, daB 'Ulfljótur, ein angesehener álterer Mann, nach Nor- wegen reiste, um die dortigen Gesetze kennenzulernen und danach dann fur Island Vorschláge zu machen. t)ber die Einzelheiten sind wir nicht genau unterrichtet, auch die Jahreszahlen sind im einzelnen unsicher. Der einzige Gewáhrsmann, Ari hinn fróði, gibt in der Islendingabók zwar zuverlássige, aber doch nicht genúgende Auskunft. Ubcrhaupt hat die islándische áltere Uberlieferung von dem Heldenlied die Eigenschaft bewahrt, mehr die Taten des einzelnen hervorzuheben und Gesamtgeschichte wenig zu beachten. 'Ulfliótur lernte in Norwegen bei seinem Mutterbruder die Gesetze des Gulading und danach hat er die seinigen gestaltet. Nach drei Jahren kam er zuruck, und man wird wohl annehmen durfen, daB er seine Gesetze zuerst auf dem Kjalarnes- ding vorgetragen hat. Dort wird wohl dann auch der BeschluB gefaBt worden sein, daB Grímr geitskór, 'Ulfljóts Ziehbruder, „ganz Island durchforschte" (Ari). Es handelte sich offenbar darum, daB man die einzelnen Ansiedlerfamilien dazu gewann, sich den Vorschlágen 'Ulfljóts anzuschlieBen. Zu diesem Zweck muBte aber doch wohl ein Ort zur Zusammenkunft auch schon ins Auge gefaBt sein, und so wird die Wahl von Thingvellir als Aldingsstátte ebenfalls auf dem Kjalarnesding erfolgt sein. DaB die Dingstátte im Gebiete Jngolfs liegen múBte, mag wohl als selbstverstándlich gegolten haben; auBerdem hátte sich allerdings eine geeignetere úberhaupt nicht finden lassen. Die erste Dingversammlung, bei der Hrafn Hængsson Gesetzessprecher wurde, fand dann 930 statt. Warum nicht 'Ulfljót, wissen wir nicht; er kann vorher gestorben sein. (Ob er in den Jahren vorher Gesetzessprecher war, auf dem Kjalarnesding oder einer Vorversammlung auf Tliingvellir, wissen wir nicht sicher.) Die Gesetze 'UIfljóts selbst sind uns nicht erhalten; erst 1117 werden islándische Ge- setze aufgezeichnet. Zum Schlusse scheint es angebracht, einen Uberblick zu geben úber die Verfassung, wie sie durch die Ulfljótsgesetze gegeben war und sich in der náchsten Folgezeit aus- bildete. Das Alding tritt alljáhrlich im Hochsommer zusammen; den Vorsitz fúhrte der Lög- sögumaör, der auBerdem vom Gesetzesfelsen aus die Gesetze vorzutragen hatte. Ob die geselzgebende und richterliche Tátigkeit anfánglich demselben AusschuB (der Lögrétta zugehörte, ist zweifelhaft; sicher ist, daB „nicht alle Islánder freien Standes und selb- stándiger Stellung unmittelbar an der gesetzgeberischen sowie richterlichen Tátigkeit 1 Diese kurze Einfúhrung macht keinen Anspruch auf Selbstándigkeit; sie soll nur einfach die obige Frage beantworten. In der Entstehungsgeschichte des Aldings habe ich mich an Sig. Nordal, Vaka III, angeschlossen. Von einer Beschreibung der Örtlich- keit der alten Dingstátte ist abgesehen; sie findet sich in jeder Reisebeschreibung. Gerne hátte ich ein neues Bild gebracht, das einen Uberblick vermitteln sollte, doch konnte ich ein solches nicht erhalten. 49
Page 1
Page 2
Page 3
Page 4
Page 5
Page 6
Page 7
Page 8
Page 9
Page 10
Page 11
Page 12
Page 13
Page 14
Page 15
Page 16
Page 17
Page 18
Page 19
Page 20
Page 21
Page 22
Page 23
Page 24
Page 25
Page 26
Page 27
Page 28
Page 29
Page 30
Page 31
Page 32
Page 33
Page 34
Page 35
Page 36
Page 37
Page 38
Page 39
Page 40
Page 41
Page 42
Page 43
Page 44
Page 45
Page 46
Page 47
Page 48
Page 49
Page 50
Page 51
Page 52
Page 53
Page 54
Page 55
Page 56
Page 57
Page 58
Page 59
Page 60
Page 61
Page 62
Page 63
Page 64
Page 65
Page 66
Page 67
Page 68
Page 69
Page 70
Page 71
Page 72
Page 73
Page 74
Page 75
Page 76
Page 77
Page 78
Page 79
Page 80
Page 81
Page 82
Page 83
Page 84
Page 85
Page 86
Page 87
Page 88
Page 89
Page 90
Page 91
Page 92
Page 93
Page 94
Page 95
Page 96
Page 97
Page 98
Page 99
Page 100
Page 101
Page 102
Page 103
Page 104
Page 105
Page 106
Page 107
Page 108
Page 109
Page 110
Page 111
Page 112

x

Mitteilungen der Islandfreunde

Direct Links

If you want to link to this newspaper/magazine, please use these links:

Link to this newspaper/magazine: Mitteilungen der Islandfreunde
https://timarit.is/publication/323

Link to this issue:

Link to this page:

Link to this article:

Please do not link directly to images or PDFs on Timarit.is as such URLs may change without warning. Please use the URLs provided above for linking to the website.