Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1930, Page 10
getrennt; der schaut auf den Stummel, und Kolskegg sagt zu ihm: . . es
ist grad so, wie es dir aussieht: das Bein ist ab!“ (Thule 4, 146) Im Gefecht
hat ein Schwerthieb dem Helgi Droplaugssohn die Unterlippe weggerissen.
„Ein schönes Gesiclit," sagt er, ,,hab ich nie gehabt, aber ein wenig hast
du noch nachgeholfen!" (Thule 12, 125) Dieser grimmige Witz, ein rechter
Ausdruck der bewunderten Kriegerharte, kommt áhnlich in drei weiteren
Sagawerken vor; man darf hier beinahe von einem stehenden Motiv reden.
Auffallend áhnliche Zierden kennt die Saga der Iren (Thurneysen, Sagen
aus dem alten Irland, 110; Windisch, Táin bó Cúalnge, 274). Gewisse Ge-
stalten, Grettir, Skarphedin (in der Njala), sind fruchtbar an zugespitzten
Epigrammen, die zwischen Komik und Tragik scliillern. Schlau ausgedachte
Wortsþiele háuft eine der romanhaften Islánderfabeln (Thule 13, 167 f.):
hier zielt es entschieden auf das Schmunzeln der Hörer, um so mehr als
eine kleine Zote einfliefit und die Erschlagung eines MiBliebigen den Hinter-
grund bildet. Wortspiele gibt es auch ohne lachhafte Haltung: in der Gluma,
in der Svarfdöla (Thule 11, 91. 264).
3. Ein Vorgang wirkt an und fiir sich, auch ohne die begleitenden Reden,
komisch. Situationskomik.
Bardi liolt den alten Odd zum Rachezug ab; er trifft ihn vor seinem
Hause, wáhrend ihm gerade seine Frau den Kopf wáscht und noch der
Seifenschaum drauf sitzt. Aber Odd springt eifrig auf und will gleich mit.
Bardi dankt ihm und meint, ,,sie solle nur weiter machen und ihn zu Ende
waschen" (Thule 8, 306). — Als Gudmund der Máchtige mit Gefolge in das
Haus des Thorkel Unband eingebrochen ist und nun einem Hiebe Thorkels aus-
weicht, fállt er riicklings in einen Milchkiibel. Der andere höhnt: das ist wohl
das erste Mal, daí3 du deinem Hintern Milch zu trinken gibst! (Thulen, 182)
— Dem bedauernswerten Thorgrim Fellhaube hat seine Frau, als sie sich
von ihm scheiden láBt, gleich noch die Kleider in den Abtritt geworfen.
Er wickelt sich wohl oder iibel in sein Bettuch, ,,denn Kleider gabs ja nicht",
und láuft hilfesuchend zum Nachbar. Warum so friih? fragt der: und so
leicht angezogen? — Man habe ihm die Frau weggenommen; er brauche
nun Hilfe. — ,,Vor allem will ich dir Kleider geben: das hast du nun am
nötigsten!" (Thule 12, 121)
Breit ausgefiihrt ist der norwegische Auftritt der Finnbogigeschichte:
wie der gefáhrliche Bár dem bewaffnet heranruckenden Bauernhaufen
Schreck einjagt — bis sie endlicli entdecken, daB ihn ihr islándischer Gast
schon tags zuvor totgemacht hat! (Thule 10, 146 ff.; eine mattere, ziemlich
humorfreie Behandlung in der Fáringergeschichte: Thule 13, 2861). Es
liegt hiniiber nach der Charakterkomik im Geschmack der Sieben Schwaben
oder der Schildbiirger. Die Erfindung ist durch einen Heldenroman be-
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