Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1930, Síða 30
im andern Falle eine bei dem damals um ein Vielfaches höhern Geldwert sehr
betráchtliche Summe.
Mutmafilich kam von der teueren Karte nur eine kleine Anzahl in den
Handel, und dies mag erkláren, daB sie, obschon in den Bibliographien des
16. Jahrhunderts mehrfach erwáhnt, nur wenig verbreitet war, bald selten
wurde und dann volle drei Jahrhunderte lang verschollen blieb. Konrad
Gesner. verzeichnete sie in seiner Bibliotheca universalis, Ziirich 1545, mit
der interessanten Bemerkung ,,es werde mit Spannung ein von Olaus Magnus
zu dieser Karte versprochenes ausfuhrliches Erláuterungswerk erwartet".
Dieser Zusatz findet sich nicht mehr in den Neuausgaben der Bibliotheca
durch Josias Simler, Ziirich 1555 und 1574, sowie durch Joh. Jak. Fries,
Ziirich 1583, da das versprochene Werk inzwischen (1555) tatsáchlich er-
schienen war. Spáter scheint die Carta marina kaum mehr bekannt gewesen zu
sein. Zwar gab es einige mehr oder minder willkúrliche verkleinerte Nach-
zeichnungen, doch konnten diese die Karte nicht ersetzen. Erst 1886 hatte
der deutsche Gelehrte Oskar Brenner das Glúck, unter den Bestánden der
Múnchener Staatsbibhothek ein vollstándiges — bis jetzt das einzige bekann-
te — Exemplar der verloren geglaubten Karte zu entdecken. Er schrieb
dariiber eine kurze Abhandlung in Norsk Historisk Tidsskrift, Kristiania
1886, S. 401—405, und eine ausfúhrlichere Arbeit „Die áchte Karte des
Olaus Magnus vom Jahre 1539 nach dem Exemplar der Múnchener Staats-
bibliothek", Christiania 1886 (Christiania Videnskabs-Selskabs Forhandlinger
1886, Nr. 15). Hierzu liefi er ein Faksimile der Karte in linearer Verkleine-
rung 1 : 3 herstellen, das Isak Collijn (s. u.) 1912 erneut veröffentlichte,
wáhrend Oberbibliothekar G. E. Klemming, Stockholm, die Carta marina
1887 in OriginalgröBe nachbilden lieB; nach einer Notiz in Viktor Hantzsch:
Sebastian Múnster, I.eipzig 1898 (Abhandlungen d. Sáchs. Ges. d. Wiss.,
Bd. 18,3) wurde sie von der Múnchener Bibliotheksverwaltung herausge-
geben. Die Carta marina miBt an den Randleisten 125 : 170 cm, ist also
úber 2 qm groB, und besteht aus 9 Bláttern, die, oben links beginnend, mit
den Buchstaben A—I bezeichnet sind. Sie umfaBt ganz Skandinavien, auBer-
dem nach Osten hin Finnland, Nordwest-RuBland und die Ostseerandlánder;
nach Westen hin die Nordsee und den Nördlichen Atlantik mit den nord-
schottischen Inselgruppen und den Fáröern, sowie, das ganze Blatt A aus-
ftillend, die Insel Island nebst einem kleinen Zipfel von Súd-Grönland.
Island ist ungefáhr 36 : 12 cm groB eingetragen, was einem MaBstab von
rund 1 : 2 000 000 entspricht, allerdings viel zu stark SW—NO statt W—O
orientiert und dazu úbermáBig breit gezogen, so daB sich die W—O-Achse
zur N—S-Achse fast wie 3 : 1 statt wie 3 : 2 verhált. Aber trotz dieser
Mángel ist Island wohl zu erkennen und die Gesamtdarstellung reicht viel
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