Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1930, Síða 36
Ehe wir auf dieses groJBe Werk náher eingehen, das 1555 in Rom erschien,
ist noch eine Karte zu erwáhnen, die den Titel Islandia fiihrt, keinen Ver-
fassernamen trágt und 1548 bei Hieronymus Gourmontius in Paris heraus-
kam. Noch kiirzlich (1929) bot die Miinchener Antiquariatsfirma Seuffer &
Willi in einem Katalog ein Exemplar dieser seltenen Karte zum Preise von
Rm 600,— an. Ein genaues Faksimile in Originalgröfíe, 49 : 35 cm inner-
halb, oder 54 : 40 cm auBerhalb der Umrahmung, veröffentlichte bereits
1895 Jindrich Metelka in Prag zu seiner Abhandlung in tschechischer Sprache:
O neznámém dosud vydání mapy Islandu Olaa Magna z roku 1548 (tíber eine
bisher unbekannte Ausgabe der Islandkarte des Olaus Magnus vom Jahre
1548; Abhandl. d. tschech. wissensch. Ges. zu Prag. Phil.-Hist. Klasse Nr. 4).
Ob Olaus diese Sonderkarte herausgab, ist sehr fraglich. Zwar entspricht sie
im Umrifi wesentlich Blatt A der Carta marina, hat ungefáhr dieselbe Gröfie
und zeigt dieselbe Form und (falsche) Lage Islands wie auf der Olaus-Karte
von 1539. Auch sind Namen und Abbildungen groBenteils der Carta marina
entnommen, aber teils in anderer Anordnung, teils in abweicliender Dar-
stellung. Eines der Schiffe trágt die Jahreszahl 1546. Auffállig ist die zwei-
sprachige (lateinische und flámische) Bezeichnung der Himmelsrichtungen:
Septentrio — Noorden, Meridies — Zuyden usw. Eine „Rerum mirabilium
declaratio" umfaBt die Buchstaben a—q, wáhrend die Karte von 1539 nur
a—n, der Kommentar „Ain Auslegung" a—o enthielt. Auch weichen a—n
der Karte von 1548 inhaltlich von den Erláuterungen a—n der Carta marina
mehrfach ab und verschiedene Angaben, die sich auf dem Kartenbild selbst
von 1539 befinden, sind auf der Karte von 1548 unter die Erláuterungen ge-
bracht. Eetztere Karte enthált sodann unterhalb ihres Titels Islandia noch
eine kurze allgemeine Beschreibung Islands (ohne Buchstaben-Hinweise),
die offenbar aus der Kosmographie des Sebasiian Miinster von 1544 stammt.
Diese stiitzt sich allerdings fiir den Norden wesentlich auf Olaus Magnus.
Obschon die anonyme Islandia-Karte von 1548, die klar gezeichnet ist, in
groBem Zuge augenscheinlich Blatt A der Carta marina wiedergibt, so wird
sie doch, wie gesagt, schwerlich von Olaus Magnus selbst herriihren. Er liátte
sie kaum anonym erscheinen lassen; auch hat er sie nirgends erwáhnt und es
láBt sich annehmen, daB er sie nie gesehen hat. Wahrscheinlich ist sie eine
hauptsáchlich aus der Carta marina in Verbindung mit spáteren (hollándi-
schen?) Angaben entnommene Kompilation, um sie nicht Plagiat zu nennen,
eines mutmaBlich flámischen Mappeurs.
Als AbschluB von Olaus Magnus groBem Eebenswerke erschien 1555 zu
Rom sein schon anderthalb Jahrzehnt vorher versprochenes Buch: Historia
de gentibus septentrionahbus . . ., das in lateinischer Sprache urspriing-
lich nur die Carta marina ausfiihrlich erláutern und ergánzen sollte, aber
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