Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1930, Síða 43
kleineren Ausbriichen die Wage halten, so sind sie ftir die Schátzung der
Leistungsfáhigkeit ganzer Vulkangebiete von ausschlaggebender Wichtig-
keit.
In friiheren Arbeiten1 habe ich versucht, einen Begriff von der Gesamt-
förderung der verschiedenen Vulkangebiete der Erde in geschichtlicher Zeit
zu gewinnen, wobei sich zeigte, daö Island sich durch groi3e hava- und
Lockerförderung auszeichnet.
In einer spáteren Arbeit2 habe ich dann darauf aufmerksam gemacht, dafi
in der hockerförderung der Erde drei Vulkangebiete weitaus an der Spitze
stehen: Indonesien mit mehr als der Hálfte der gesamten Förderung
der Erde seit 1500 (die rund 325 cbkm Lockerstoffe umfaBt), Mittelamerika
mit einem Funftel und die Aleuten samt Alaska mit reichlich einem Elftel,
wáhrend in Eavaförderung Island in weitem Abstand die Fiihrung hat, da
es rund ein Drittel der gesamten Lavaförderung der Erde seit 1500 (ca.
50 cbkm) liefert. Das ist ein Betrag, der auBerordentlich hoch ist.wenn man
bedenkt, daJ3 geflossene Lava in der Raumeinheit ein Mehrfaches, wenn
auch im allgemeinen nicht genauer feststellbares Mehr von mineralischer
Stoffmenge enthált, als in dem gleichgrol3en Mal3 von Lockerstoffen.
Alle gröBeren Fördergebiete sind langgestreckt, streifenförmig, aber da-
bei sind sie oft sehr verschieden lang, weshalb die rohe Gesamtnebeneinander-
stellung der Förderungen noch kein ganz gerechtes Bild ergibt. Ein solches
entsteht nur, wenn man die Leistungen auf eine gleichmáBige Lángeneiuheit
bezieht, als welche 100 km genommen werden können.
Wenn man so eine Neuverteilung der Förderleistung vornimmt, so ergibt
sich Mittelamerika als das leistungsfáhigste Lockergebiet der Erde mit
4,6 cbkm Lockerstoffen auf 100 km Lange, wáhrend Indonesien auf 3,7,
die Aleuten samt Alaska auf 1,2 cbkm zu stehen kommen. Dabei ist noch
zu bemerken, daB die mittlere Reihungsdichte der tátigen Vulkane in Mittel-
amerika auch wesentlich enger ist, als im Gesamtgebiet der Aleuten samt
den Vulkanen Alaskas oder in Indonesien.
Wie verhált es sich nun in dieser Hinsicht mit Island ? Wenn man annimmt,
daB im Durchschnitt etwa 1 cbm Lava ungefáhr 2—3 cbtn Lockerstoffe
entsprechen, so erkennt man leicht, daB Island seit 1500 von allen Vulkan-
gebieten weitaus die gröBte Menge juveniler Mineralstoffe an die Erdober-
fláche gebracht hat. Aber die beiden islándischen Vulkanstreifen sind sich
in der Förderleistung, soweit ersichthch, zum mindesten seit 1500 sehr un-
1 Beitráge zur Geographie der tatigen Vulkane. Zeitschr. f. Vulkanologie III, S. 65 ff.
— Katalog der geschichtlichen Vulkanausbrtiche. StraBburg 1917. S. 337 ff. Vulkan-
kunde. Stuttgart 1927. S. 263 ff. * Die tátigsten Vulkangebiete der Gegenwart.
Zeitschr. f. Vulkanologie XI. S. 181 ff.
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