Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1930, Qupperneq 50
1914 gestellt hatte, war eine doppelte: Zunáchst wollte ich Islands Nordkap
besuchen, um den schwierigsten Teil zuerst zu erledigen, von Westen her
den 'Isafjörður entlang bisHorn vordringen, auf der Ostseite sodann nach
dem Steingrímsfjörður zuriickkehren und quer iiber die Steingrímsfjarðar-
heiði die „Eisförde" abermals erreichen. Zweitens wollte ich rund um die
Barðastrandarsýsla reisen und zu diesem Zweck vorher versuchen, die
Gláma zu uberschreiten, um festzustellen, ob sie ein Gletscher oder nur ein
gewaltiges Firnfeld wáre. Die Eösung der ersten Aufgabe darf ich im all-
gemeinen als gegluckt bezeichnen, zumal das Wetter in den ersten drei
Wochen ungewöhnlich gtinstig war. Den zweiten Teil der Reise muCte ich
leider bedeutend abkúrzen; Schuld daran waren Mangel an Zeit, Regen und
Nebel, vor allem der Ausbruch des Weltkrieges.
Das Hauptgewicht meiner vierten und letzten Reise sollte also auf den
Besuch des Nordkaps und die geographisch-geologische sowie kulturgeschicht-
liche Erforschung der Hornstrandir gelegt werden, d. h. eines grofien Teiles
der Ostktiste von Islands nordwestlicher Halbinsel. Diese, zwischen dem
Húnaflói und Breiðifjörður gelegen, wird durch den Bitrufjörður und Gils-
fjörður von dem tibrigen Eand durch eine schmale, kaum 7 km breite und
228 m hohe Eandenge getrennt. Sie erstreckt sich fácherförmig, oder ,,wie
ein Baum mit vielen Ásten“ (Eggert 'Olafsson und Bjarni Pálsson [ver-
dánischt: Eggert Olafsen und Biarne Povelsen], Reise igjennem Island.
Sorö 1772, deutsch in 2 Bánden, Kopenhagen und Eeipzig, 1774/75, § 544)
oder „wie eine ungeheuere gespreizte Eaust“ (Björn Magnússon 'Olsen,
Kystrejsen, Reykjavík 1907) nach NW ins Eismeer hinaus und heií,it darum
Vestfirðir. Diese sind wieder durch das 'Isafjarðardjúp (Eisfördentiefe)
in zwei gröíiere und mehrere kleinere Halbinseln geschieden, ftir die der
Islánder keinen besonderen Namen hat. Man sollte zur Bequemlichkeit
den Teil westlich von der Eisbuchtförde „Glámulialbinsel“ nennen, den
östlichen Teil „Drangahalbinsel". Eetztere wird wieder, wie die gesamte
Halbinsel, durch eine Eandenge, die zwischen Furufjörður und Hrafns-
fjörður nur 5% km breit und 200 m hoch ist, in die gröGere, eigentliche
„Drangahalbinsel" und die kleinere „Nordkaphalbinsel" geschieden. Unter
„Strandir" versteht man die dtinnbevölkerten, unwegsamen Ktistenstriche
auf beiden Seiten von Horn: den westlich vom Nordkap gelegenen Teil
nennt man Vesturstrandir, das östliche Sttick bis Geirólfsgnúpur (heute
meist Geirhólmur genannt) Norðurstrandir. Gewöhnlich aber nennt man
Strandir den ganzen östlichen Ktistenstrich der Vestfirðir. Dieser wieder
heifit an der Westktiste des Húnaflói Suðurstrandir oder Innstrandir (Grettis
saga K. 9,1), an dem nördlich am offenen Meer gelegenen Teile Hornstrandir.
Doch herrscht keine Einigung dartiber, wieweit diese Bezeichnung ange-
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