Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1930, Síða 53
Wendet werden darf. Nach einigen beginnt die Hornkiiste am siidlichen
Reykjarfjörður, nach anderen bei Geirólfsgnúpur, derGrenze der'Isafjarðar-
und Strandasýsla, nach anderen bei Drangar. Ich schliefie mich Thoroddsen
an, dem es am richtigsten und natiirlichsten erscheint, die Trékyllisvík als
Ausgangspunkt der Hornstrandir anzunehmen, weil dort der Húnaflói in
das Eismeer miindet und sich die Kiiste von da ab nach Westen wendet.
(Ferðabók II, 56, go. Kopenhagen 1914.)
Der ganze von mir eingeschlagene Weg ist von meinem Begleiter H.
Benary im allgemeinen nach den wichtigsten Ortschaften in unsern ,,Mit-
teilungen", III, 70, angegeben und von mir selbst fiir den nördlichen Teil,
von Kirkjuból am 'Isafjörður iiber das Nordkap zuriick an der Ostseite des
Drangajökull nach Kirkjuból etwas ausfúhrlicher skizziert worden (Mitt. IV,
52); die Strecke von Kirkjuból nach Staður í Grunnavík, von wo der Aus-
flug nach dem Nordkap mit einem Dampfer unternommen wurde, ist von
mir náher geschildert (Mitt. XVI, 52—54) und Horn selbst möglichst genau
beschrieben worden (Mitt. XVI, 43—57; 73—78). Gleichzeitig mit diesen
Zeilen erscheint in Band I der „Deutschen Islandforschung", herausge-
geben von der Deutschen Notgemeinschaft, ein Aufsatz von mir ,,Die Horn-
kiiste und ihre Bewohner" (Hornstrandir und Hornstrendingar). Es bleibt
also nur noch ubrig und soll im folgenden meine Aufgabe sein, eine in sich
abgeschlossene Rechenschaft abzulegen uber den einleitenden und aus-
klingenden Teil meiner Reise nach der Drangahalbinsel, vor allem sudlich
des Drangajökull rund um die Þorskafjarðar- und Steingrímsfjarðar-
lieiði.
II. DIE REISE SELBST
1. VORSPIEL. DER LANGIVA TNSDALUR
Der Anmarsch von Reykjavík nach dem Gilsfjörður, dem sudlichen Ein-
schnitt der Nordwesthalbinsel, der durch eine Senkung im Erdboden ent-
standen ist, fiihrt fast direkt nach Norden, ist reichlich lang und erfordert
ftir eine Karawane von 12 Pferden gut sechs Tage. Er ist oft beschrieben
Worden, auch von mir selbst, es braucht deshalb nicht náher auf ihn ein-
gegangen zu werden. Unbekannt fúr mich und von keinem Deutschen bisher
geschildert war nur die Strecke des vierten Tages, der Weg von Arnarholt,
wohin ich tiber Möðruvellir und Grund gelangt war, durch den Rangivatns-
dalur nach dem Hvammsfjörður.
Dieses „Eangseetal" liegt nw. von Arnarholt, jenseits der Norðurá und
Glúfurá; etwa 8 km oberhalb der Brticke tiber die Glúfurá verlieBen wir das
letzte bewohnte Gehöft Grísatunga, behielten die nördhche Richtung 3 krn
lang, wandten uns dann hinter einem kleinen und gröfieren See mehr westlich
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