Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1930, Síða 56
dessen blauen Wellen zahllose weifie Schwáne Kreise zogen und unermiidlich
abwechselnd ein tieferes A und ein höheres Há anstimmten.
Die ,,Dorschförde“ gehört zu den vielen kleinen Fjorden an der Nord-
kiiste des Breiðifjörður; ich habe sie alle auf der Riickkehr von der Gláma
nach Reykjavík kennengelernt. Bs sind vonOsten nachWesten, bis Brjáms-
lækur folgende Buchten: Berufjörður (östlich von den „Rauchhugeln" beim
Eingang zum Gilsfjörður), Þorskafj., Djúpifj., Gufufj., Kollafj., Kvigindisfj.,
Skálmarfj. mit dem Nebenfjord Vattarfjörður, Kerlingarfj. mit dem Neben-
fjord Móifjörður, Kjálkafj., Vatnsfjörður. Die ganze Strecke zwischen
Brjámslækur und Þorskafjörður ist ehemals durch bogenförmige Brucken
zerklúftet gewesen; die Kúste ist mit Inseln und Scháren tibersat und sehr
flach (12—15 m). Die Fjorde sind sámtlich klein, 5—15 km lang, an den
Mtindungen bis 170 m tief, es sind tiefe, im Basalt ausgehöhlte Bassins.
Die ,,Dorschförde“ ist die lángste von diesen Buchten, etwa 20 km lang;
auf ihrem Grunde befindet sich eine lange und tiefe Rinne ('Alfavakir);
quer úber ihre Múndung erstreckt sich ein unterirdischer Felsenrúcken,
an dem sich bei der niedrigsten Ebbe die Brandung bricht. [Vgl. Thoroddsen,
Island, S. 82, 214, 249.] — Da Ebbe war, konnten wir 1% Stunde abkúrzen
und durch den Fjord nach dem auf seiner Westseite gelegenen Hofe Múli
reiten und weiter nach dem von der Múlaá durchströmten, schmalen, reizen-
den Þorgeirsdalur (65 m ú. M.), dessen Birken tiberall noch im weiBen
Schnee standen: wir befinden uns auf einem der engeren Schauplátze der
Gullþórissaga (K. 14). Eangsam geht es durch ein Birkengestrúpp bergan
(165 m), nach 1 Stunde beginnt der eigentliche Aufstieg in die Þorskafjarðar-
heiði (268—367 m), eine grofiartige Schneelandschaft öffnet sich vor uns,
und nach abermals r Stunde, nachdem wir máchtige Schneefelder passiert
haben, hört hinter einem ansehnlichen See jeder Graswuchs auf. Der Post-
reiter, der uns schon in 'Olafsdalur und Bær begegnet war und wertvolle
náhere Aufschlusse úber den Weg gegeben, hatte uns erzáhlt, daB
jetzt, Ende Juli 1914, soviel Schnee auf dem Plateau láge wie sonst kaum
noch im Mai, und daB er einmal am lángsten Wintertage 20 Stunden auf
dieser Heiði umhergeirrt sei und sich nur mit Múhe aus der Finsternis,
Öde und Eiseskálte gerettet habe; erst 1893 sei eine Schutzhútte gebaut,
und 11 Jahre hátte es gedauert, bis endlich 1900 der Weg mitWarten ver-
sehen sei1. Nattirlich können die Warten nur ungefáhr die Richtung be-
zeichnen, nicht den Weg selbst, denn einen solchen gibt es nicht; an be-
sonders groBen Schneefeldern oder bei ttickisch verborgenen Teichen sind
1 Nach Olaus Olavius (Öconomisk Reyse igjennem . . . Island, Kop. 1780, § 15) ist
dieser Weg ein wenig besser als die anderen Gebirgstibergánge auf den Vestfirðir:
man habe wenigstens auf einem kleinen Stiick die Steine beiseite geraumt.
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