Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1930, Side 63

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und den Gletscher selbst und rechnete damit, dafi auch die Quellfliisse der Þjórsá zu waten sein wiirden, wenn auch schwierig, und daB ich sie im Notfall durch Hinaufgehen auf den Gletscher umgehen könnte, wie ich es 1927 bei einigen anderen gemacht hatte. Darum wollte ich mich an die Westseite des Sprengisandur halten, dicht an den Rand des Hofsjökull. I)a es dorthin am kiirzesten aus dem inneren Eyjafjörður ist und da ich als Fufigánger in der Wahl des Weges und der Tagemársche viel freier als ein Reiter war — ich brauchte weder Weidemangel noch Schluchten und Steil- hánge zu fiirchten — so wáhlte ich den Weg aus dem Eyjafjörður. Ich nahm Verpflegung fiir eine Woche mit, hauptsáchlich Schwarzbrot, Butter, Fleisch, Keks, Dörrobst und Schokolade, zusammen etwa 15 Pfund; kochen konnte ich mir unterwegs nichts. Fiir die Náchte hatte ich einen leichten, gut geölten, völlig wasserdichten Schlafsack und warme Unter- wásche, gegen den Regen eine Lederjacke. Mein Schuhzeug waren 2 Paar leichte Islánderschuhe aus Seehundsfell. Ich hátte gern einen oder zwei Begleiter gehabt, aber die von meinen islándischen Bekannten, die gern mitgegangen wáren und es sich zutrauten, konnten sich in dieser Haupt- arbeitszeit des Jahres nicht freimachen. Nur fiir den ersten Tag schlofi sich mir ein junger Zeichenlehrer aus Frankfurt a. d. O. namens Schröter an, der am Eaugafell und am Rande des Hofsjökull malen wollte. Er war ein sehr guter FuJ3gánger, war sogar zweimal allein zu FuJ3 in der Askja gewesen. Wir wollten Anfang August gehen, aber sehr schlechtes Wetter hielt uns tiber eine Woche in Akureyri fest, so daJ3 wir erst am 13. August die Siedlung verlieJ3en. Diesen Tag ging ich mit Schröter zur heiJ3en Quelle am Eaugafell (nordöstlich Hofsjökull), obwohl es mich vom geraden Wege abftihrte. Da Schröter sehr viel Gepáck hatte und ich mich schonen wollte, lieJ3en wir uns ein Sttick zu Pferde bringen. Zuerst hatte ich den alten Hjálmar in Villingadalur zum Ftihrer nehmen wollen, da er als der beste Kenner des Hochlands im Eyjafjörður galt. Aber er hatte keine Zeit, und was er uns erzáhlte, kam mir sehr unzuverlássig vor. Das íheiste davon erwies sich spáter auch als ungenau oder falsch. Úberhaupt habe ich nir- gends in Island so geringe Kenntnis des angrenzenden Hochlands wie im Eyjafjörður gefunden. Alle Leute, mit denen ich sprach, sagten, zu Pferde ins Hochland ginge es nur tiber den Vatnahjalli; der innerste Teil des Haupt- tals, das gerade nach Stiden liegt und deshalb der náchste Weg ftir uns war, wáre unreitbar. Ich aber kannte den Vatnahjalli und wollte ihn nicht noch einmal gehen, denn er ist öde und beschwerlich und dazu ein Umweg. Ich hatte mir vorgenommen, den Aufstieg geraden Wegs aus dem inneren Ende des Haupttals zu versuchen. Alle rieten ab, schlieBlich aber verabredete 105
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