Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1930, Qupperneq 65

Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1930, Qupperneq 65
Raugafell hindurch zur Jökulsá eystri im Skagafjörður flieBt, zunáchst etwas links vom geraden Wege, iiber die Háöldur, hohe Erhebungen sudlich und súdöstlich vom haugafell. Hier sah ich an geschútzten Stellen das letzte dúrftige Moos und Gras, denn nun begann der Sprengisandur, weite, öde, wenig gewellte Fláchen von grobem Sand und Kies, Ablagerungen der Gletscherflusse, auf denen ich ausgezeichnet und schnurgerade vor- wárts kam. Fern links von mir lagen die schimmernden Eisfelder und die farbenreichen leuchtenden Hánge des Tungnafellsjökull in strahlendem Sonnenschein, aber rechts von mir ballten sich schwere Wolken um die Höhe des Hofsjökull, verhtillten den Gletscher und gossen bald starken Regen auf mich hinunter, der etwa 5 Stunden anhielt und rnich schliefilich sehr durchnáBte. Da Hjálmar mir gesagt hatte, am Arnarfell wáre eine Schutzhtitte, lief ich weiter. Spát am Nachmittage kam ich an die nörd- liche Þj órsárkvísl kurz oberhalb des Zusammenflusses zweier Arme. Sie waren durch den starken Regen sehr gewachsen und der erste sehr schwer zu waten. Der Weg wurde nun schlechter, da ich nahe an die jungen End- moránen des groBen Schreitgletschers nordöstlich vom Arnarfell heran- gekommen war. Etwa 2 Stunden nach der nördlichen Þjórsárkvísl kam die stidliche, ganz kurz vorm Arnarfell1. Sie war auBerordentlich wasser- reich, floB aber in etwa 20 Armen, so daB ich gut hintiberkam. Bei Einbruch der Dámmerung kam ich an den FuB des Arnarfell; der Sprengisandur War hinter mir, aber noch nicht die Hálfte des Weges ins Súdland. Eine Hútte fand ich nicht, es ist dort auch nie eine gewesen, wie ich spáter erfuhr. Ich lag die Nacht im Schlafsack drauBen und fror nicht, obwohl ich ziem- Hch naB war und am Morgen an denHángen desTungnafellsjökuli und der Hágöngur gegenúber frischer Schnee lag. Das Arnarfell mikla ist einer der interessantesten Plátze, die ich im inneren Island gesehen habe. Der steile, zackige, farben- und formenreiche Tuff- berg staut die vom innerenHofsjökull kommenden Eismassen, so daB sich úur eine schmale Gletscherzunge oben zwischen die beiden Gipfel des Ber- ges schiebt, wáhrend die Gletscher zu beiden Seiten weit vor ihn in das Hier ganz ebene Hochland hinausreichen. An den Hángen unS auf dem von ungezáhlten Wasserláufen durchschnittenen Vorland gedeiht, auf 3 Seiten von Gletschern umschlossen und von Schafen und Pferden selten gestört, ein tiberaus tippiger Pflanzenwuchs, der auf den Wanderer, der die I^ústen des Sprengisandur hinter sich hat, fast wie ein Garten Eden wirkt. Her dritte Tagemarsch war nur kurz, das Wetter gut. Der Weg ftihrte ^uerst an den Múlar entlang, alten Moránen mit reichem Graswuchs am ? Þie Þj órsárkvíslar sind auf Bruuns Karte völlig falsch eingezeichnet. Die nördliche ’st kurz nördlich von dort, wo die Ostseite desHofsjökull nach Siidwesten umbiegt, die shdliche dicht nordöstlich vom Arnarfell. 107
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