Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1930, Qupperneq 66

Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1930, Qupperneq 66
Siidostrand des Hofsjökull; sie reichen, von vielen kleinen Gletscherfliissen, den Múlakvíslar, durchbrochen, bis an den Nauthagi, sumpfiges Weideland vor der Mitte der Siidseite desHofsjökull. Der Nauthagi liegt weit aus dem geraden Wege, der Umweg ist aber nötig, um iiber die Miklakvísl1 zu kommen, die weiter unten in grundlosen Siimpfen fliefit. Ich bog zuerst zu friih nach Siiden ab, geriet in einen solchen Sumpf und mufite umkehren, kam dann aber sehr gut iiber den Flui3. Am Nachmittage kam ich an die Þjórsá gegeniiber dem Sóleyjarhöfði, fand da eine kleine Schutzhiitte und blieb die Nacht dort. Der Platz heifit Bólstaður. Von Bólstaður aus hatte ich nun den durch Steinmale markierten Haupt- weg bis nach Skriðufell; es waren noch etwa 80 km mit io oder 12 Fliissen, die aber alle klein sind. Am Wege oder in seiner Náhe sind noch 5 Schutz- hiitten, in denen der Reisende bei allzu widrigem Wetter unterschliipfen kann. So dicht wie auf diesem Teil des Sprengisand-Weges stehen die Hiitten auf keinem anderen islandischen Hochlandweg. Ich war das Alleinsein in der ungeheuren Einsamkeit etwas leid geworden, es fing an, auf mich zu drucken. Darum entschlofi ich mich, zu versuchen, noch am vierten Tage bis Skriðufell zu kommen. Ich unterschátzte die Entfernung dabei aber um 15 bis 20 km. Am Vormittag schien die Sonne und es war heii3. Ich mu(3te iiber den fast 3 Stunden breiten Fjórðungs- sandur, dessen Sand fast so schwer wie der unserer norddeutschen Truppen- iibungsplátze war. Am Mittag war ich darum so matt, da!3 ich nicht mehr glaubte, den iibrigen Weg noch am gleichen Tage zu schaffen. Dann aber wurde der Weg besser, herrliche schmale Reitpfade mit federndem Boden, die nie ermiiden, weil sie nie seelenlos schnurgerade laufen und sich der Gelándebildung wunderbar anschmiegen. Dazu wurde es kiihler und es kamen einige herrlich erfrischende Regenschauer. Ich kam schnell voran; als aber der Abend kam und noch immer keine Spur vom Þj órsárdalur, in den der Weg etwa 2 Stunden östlicli von Skriðufell hinabliegt, da wurde ich miide und spiirte die East des schweren Gepácks, das ich trug, und der 4 anstrengenden Tage, die ich hinter mir hatte. Trotzdem lief ich weiter und in die Nacht hinein. Sie war 3 bis 4 Stunden stockdunkel, und ich verlor mehrmals den undeutlichenWeg und mufite ihn wieder suchen, und muJ3te schliefilich sogar liegen bleiben und den Tag abwarten. Es war dicht oberhalb der Gjá, einer ungewöhnlich malerischen Schlucht an der Seite 1 Die Miklahvísl kommt vom Sudwestrand des Hofsjökul und múndet in die Þjórsá etwa eine Stunde oberhalb des Sóleyjarhöfði. Auf den Karten sind 2 Flusse Mikla- kvísl und Blautakvísl, zusammengeworfen und Blautakvísl genannt. Die richtige Blautakvísl ist ein ganz kleiner FluB, der dort in die Þj órsá múndet, wo es auf den Karten gezeigt ist (gegenúber dem Sóleyjarhöfði). Die Blautakvísl der Karten zeigt aber im ubrigen den Lauf der Miklakvísl. 108
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