Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1930, Side 74

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XIV. EIERSAMMELN UND VOGELFANG AUF DEN WESTMÁNNERINSELN Von Emil Sonnemann uf den Vogelbergen der Westmánnerinseln werden alljahrlich viele y\Tausend Eier von Seevögeln gesammelt, hauptsáchlich die Eier der Lummen und Alken, die in ungezáhlten Scharen auf den Inseln briiten. Diese Arten zeitigen ihr einziges Ei normalerweise Anfang Juni. Um diese Zeit fáhrt eines Morgens, wenn Wind und See giinstig sind, eine Schar junger Mánner auf einem Motorboote und einem Beiboote nach einer der Inseln, Bjarnarey, Elliðaey oderHellisey, hinaus mit Seilen und Körben versehen, um Eier zu sammeln. Das Eanden an diesen steilen und zerkliifteten Felsen ist selbst bei ruhigem Wetter eine schwierige Sache. Ist man gliicklich oben angelangt, so ruht das Auge aus auf der ganz mit iippigem Gras bedeckten Oberfláche der Insel. So ist es wenigstens auf Bjarnarey und Elliðaey; auf Hellisey tritt auch auf der Oberfláche vielfach der nackte Fels zutage. Nach kurzem ImbiJ3 spricht der Álteste ein Gebet, in dem er alle bei ihrer be- vorstehenden gefáhrlichen Arbeit unter den Schutz des Höchsten stellt. Darauf teilt sich die Schar in Gruppen zu zweien oder dreien, die nun jede an einer anderen Stelle mit ihrer Arbeit beginnt. Der Sammler, dem die Auf- gabe des Kletterns zufállt, befestigt das doppelte Seil an seinem Körper; wáhrend der zweite sich am Rande des Felsens niedersetzt und das Seil um seinen Körper schlingt, um seinen Kameraden uber den Rand langsam nach unten gleiten zu lassen; der dritte hockt am áufiersten Rande und horcht auf die Kommandorufe von unten, um sie an den Seilhalter weiterzugeben. Ich gestehe, daB mich, als ich zum ersten Male diesem Unternehmen bei- wohnte, ein gelinder Schrecken ergriff, als ich das Seil iiber den scharfen Felsrand nach unten gleiten sah; nachher wird man auch dagegen gleich- giiltiger, láBt sich selber anseilen und steigt mit den andern nach unten. Und da bemerkt man denn, daB diese steilen Wánde, die vom Meere aus gesehen, schlechthin unbesteigbar scheinen, eine Menge Nischen und Höhlen, Vor- spriinge, Gesimse zeigen, in denen und auf denen bequem einige Mánner Platz haben. Trotzdem ist es natiirlich eine halsbrecherische Kletterei, 50, 80, 100 m senkrecht iiber der rauschenden Brandung. Was hier an Gewandheit und Unerschrockenheit von den Mánnern geleistet wird, ist bewunderungs- wiirdig; da entgeht ihnen keine noch so schwierig erreichbare Stelle; und ich glaube es ohne weiteres, daB diese Eiersammler die besten Kletterer der Erde sind. Kommt man nach miihsamer Kraxelei vor einer gröBeren Nische an und sieht auf dem durch die Exkremente der Vögel schwach rosa scheinen- den Grunde eine gröBere Anzahl der prachtvoll gefárbten Eummeneier liegen, so denlct man unwillkiirlich an leuchtende Edelsteine. 114
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