Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1930, Síða 77
Die Sammler lialten sich aber mit solchen Betrachtungen nicht auf und
stecken ohne Besinnen alle Kier in ihre oben offene Bluse, die sie unten fest
zusammen gebunden haben. Die Lummen und Alken zeigen bei diesem
Eingriff in ihre Rechte eine geradezu polizeiwidrige Dummheit. Náhert
man sich einer gröfieren Schar, so bleiben sie zunáchst sitzen, treten unruhig
von einem Bein aufs andere, knurren unverstándliche Laute und wissen
augenscheinlich nicht, was sie tun und lassen sollen. Plötzlich stiirzt die
ganze Gesellschaft in kopfloser Flucht hinunter aufs Meer. Dabei geht
manches schöne Ei zu Bruch und rollt hinter seinen Erzeugern drein. So
ein Blusenmann, der eine gehörige Anzahl Eier eingesteckt hat, sieht auch
weniger schön als komisch aus, besonders wenn ihm hinten und vorn aus der
Bluse der Dotter niedertropft. Hat er seine Bluse geniigend voll, so steigt
er entweder nach oben, oder es wird ein Korb herabgelassen, in dem die
Beute nach oben befördert wird.
Das Gescháft ist eintráglich. Im Jahre 1927 wurden auf Bjarnarey von
elf Sammlern in meiner Gegenwart etwa 5000 oder 6000 Eier gesammelt
und die ganze Beute kam wohlbehalten in Heimaey an Land. Im Jahre 1925
liatten wir weniger Gliick und brachten von etwa 4000 Eiern, die auf Hellisey
gesammelt waren, nur ungefáhr 400 heil nach Hause; aus den iibrigen hatte
der Sturm, der sich unterwegs erhob, ein schreckliches Riihrei gemacht.
Die gesammelten Eier werden lediglich in Heimaey zu Speisezweeken,
das Stiick mit etwa 25 aur., verkauft. Ich glaube nicht, dai3 durch das Sam-
meln der Lummen- und Alkeneier ein Schaden im Naturhaushalt angerichtet
wird, der nicht wieder gutzumachen w’áre. Tatsache ist jedenfalls, dafí die
ihres Eies beraubten Vögel alsbald ein zweites legen.
Völlig anders ist der Vogelfang zu beurteilen. Ich gebrauche bewufit das
sclionende Wort ,,Vogelfang“; ich wáre durchaus berechtigt, ein weit schlim-
meres Wort dafiir an die Stelle zu setzen.
Fiir den,,Vogelfang" kommen folgendeArten in Betracht: Paþageitaucher,
isl. Lundi, Fratercula arctica L.; Basstölþel, isl. Súla, Sula bassana I,., Eis-
sturmvogel, isl. Fýll, Fulmarusglacialis L. Es werden gelegentlich auch noch
Lúmmen und Alken und Sturmtaucher „gefangen"; aber in bei weitem
geringerer Zahl als die erstgenannten Arten.
Am schlimmsten ergeht es dem hiibschen Papageitaucher; er nistet auf
den grasbedeckten Oberfláchen der Vogelberge in ungeheurer Menge; hier
grábt er seine 80 bis 100 cm tiefen wagerechten Nisthöhlen in das lehmige
Erdreich. Die Höhlen sind so zahlreich, da!3 der ganze Grund unterminiert
íst. Ende Juni schliipfen die Jungen aus, und nun beginnt ein auBerordentlich
reizvolles Schauspiel: unaufhörlich fliegen die Alten vom Meere herauf mit
kleinen silberglánzenden Fischen im Schnabel, aus dem sie wie ein Schnurr-
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