Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1930, Síða 79

Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1930, Síða 79
schon recht selten geworden ? Es ist Zeit, die warnende Stimme zu erheben. Ich habe zu der Regierung Islands das Vertrauen, daB sie Mittel und Wege finden wird, die den Fortbestand der bedrohten Vogelarten sicherstellen. Die Tausendjahrfeier bietet eine wundervolle Gelegenheit, ein Denkmal der Menschlichkeit zu errichten durch ein Gesetz, das die genannten Arten fiir immer unter Schutz stellt. XV. STIMMUNGSSKIZZEN AUS ISLAND Von Theodor Wedepohl ngeduldige Augen spahen nordostenwárts nach langer Fahrt, und siehe, in den fernen weifien Nebeln iiber der Meeresfláche modellieren sich hier und da feste Formen. Ganz allmáhlich erscheinen schimmernde Gletscher, dunkle Felsen, Wasserfálle, griine Triften. Isafold ist aus dem Meere aufgetaucht und freudig begriifit der Seefahrer das Dand der Edda. So erlebte ich es auf zwei von meinen Reisen, anders jedoch bei meiner erstmaligen Ankunft. Da verbargen dichte Regenwolken die Ferne und als wir die Westmánner-Inseln ansteuerten, reckten sich die Felsen als diistere Massen aus den silberigen Schwaden, und die Höhlen wáren schau- rig erschienen, wenn nicht tausendfaches Eeben laut und beweglich ge- herrscht hátte: die Seevögel azten ihre Jungen. Von der Schiffstrompete aufgeschreckt flogen dichte Scharen kreischend umher. Im Nebel der Höhen zogen stille Schafe dahin. Zwei Stunden Aufenthalt miissen fiir eine Skizze geniigen: „Dustere Stimmung iiber dem Schicksalslande“. Wohl hat mir Island Sonnenschein und Himmelsblau gezeigt, Blumen in Fiille und von erstaunlicher GröJ3e, Dámmerungs-Harmonien und Far- benwechsel, doch oft bekundete sich eine bangende Seele. Vom Pfarr- hause Staður í Grunnavík, tief in einer der Buchten des'Isafjarðar-Djúp, geleiteten mich die beiden jungen Söhne zu Pferde iiber die steilen Höhen, dann zum Eeiruf jord iiber Felsgeröll im wilden Galopp bergab. Vom Dranga- jökull, der das Nördliche Eismeer griii3t, zog ein kalterHauch iiber uns hin. Seehunde verhefien bei unserer Annáherung ihre Steinsitze, um sich ins Wasser zu bergen. Halldór sprang vom Pferd und reichte mir einen Stein herauf. „Wir kommen zu der Stelle, hier am Seitenflufi, wo sich einmal ein junges Mádchen ertránkt hat. Jeder, der voriiberkommt, wirft einen Stein auf den hohen Grabhiigel." — „Um sie zu beschimpfen wegen ver- ratener I.iebe ?“ „Nein! Damit das Mitleid Vieler ihr Ruhe bringt, und sie nicht herauf kann und umgehen rnufi." An einem kleinen Gehöft ging unser Weg voriiber. „Wir können hier nicht haltmachen, um eine Erfrischung zu erbitten, hier wohnt armes Volk,“ 117
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