Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1930, Síða 83
noch briitend auf dem Nest, und nahert man sich behutsam, so lassen sie
sich streicheln. Der Felsen lebt, die warme Sonne scheint auf Rasen und
Steine und Wellen. Die Bauern haben prachtvolle Ruderboote auf der
Bucht und schöne Möbel in ihren Háusern. Die Betten sind voll Eider-
daunen, die Schiisseln voll Eier der Enten und Möwen, und von Hammel-
fleisch, gekocht, gebraten, gedörrt, geráuchert, gesáuert. Freilich hatten
wir am Samstag acht Stunden bis hierher zu reiten gehabt, doch der Sonn-
tag-Morgen gab Zeit zur Skizze, fiir deren Entstehen der Pastor sich so
interessierte, daB er die Kirche zwei Stunden spáter anfangen lief3.
XYI. MODERNE YERKEHRSMITTEL IN UND
UM ISLAND
Von Albert Kuntzemiiller
1m 20. Jahrhundert, wo Raum und Zeit durch den mehr und mehr
beschleunigten Verkehr iiberbriickt und verkiirzt — um nicht zu
sagen: rationalisiert — werden, da hat auch Island von seiner Weltferne,
seiner Eage abseits jeder groBen VerkehrsstraJ3e viel verloren. Es riickt
uns offensichtlich náher, und was vor Menschenaltern noch Fahrten auf
Monate hinaus erforderte, ist heute zu Wochen und Tagen zusammen-
geschrumpft; ja, wenn die jiingste Entwicklung des Euftverkehrs ihren
Siebenmeilenschritt beibehált, dann wird eine Rechnung nur noch nach
Tagen und Stunden binnen kurzem zur Tatsache geworden sein. Wir
mögen das begriiJ3en oder bedauern — ándern werden wir es jedenfalls
nicht.
Was in friiheren Jahrhunderten war, kann ich hier fiiglich úbergehen;
mit Wikingerfahrten und Heldenromantik befaJ3t sich der Verkehrspoli-
tiker von heute nicht. Aber schon ein Blick nur zwei Menschenalter
zuriick zeigt uns im Verkehr in und um Island so gewaltige Veránderungen
und — das darf man wohl sagen — Verbesserungen, daB eine Betrachtung
gewiB lohnt. Seit derErfindung des elektrischenTelegraphen, desDampf-
schiffes, der Eisenbahn und des Radio ist es mit der Abgeschiedenheit und
Abgelegenheit auch Islands aus und vorbei. Der Verkehr zur See, zu Lande
und in der Euft, nicht zu vergessen die Beschleunigung der Nachrichten-
iibermittelung, sie haben der Menschheit allenthalben gedient — auch
in Island.
I. Seeverkehr
Der Seeverkehr mit Island zu GroBvaters Zeiten war — etwa im Vergleich
zum Úberseeverkehr zwischen der alten und der neuen Welt — sehr ge-
ring. Wer hátte auch von und nach Island reisen sollen? Einzig und
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