Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1930, Síða 101

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Loch in Siggas Lumpen zu flicken. Wie war Klein-Sigga damals bange gewesen I Wie sollte die Puppe nnr aus einem Kopf bestehen ? Kein Kind war nur ein Kopf! Dann war sie keine Puppe mehr! Von diesem Augenblicke an hatte Sigga nie tagsuber mehr mit ihrer Puppe gespielt, damit Olöf sie nicht sah und nicht an sie erinnert wiirde. Klein-Sigga hatte ihre Puppe unter der Bettdecke in Gunnas Bett versteckt und sie erst hervorgeholt, wenn sie abends zu Bett ging. Sie schlief so gut mit ihrer Puppe im Arm! Sollte sie nun hingehen und Olöf die Puppe geben ? In den Sarg zu ihr legen, da sie ja die Puppe hatte gern haben wollen . . . Vielleicht konnte Olöf dann auch in der Hölle besser schlafen . . . Sonst wáre es fiir sie unmöglich, in der Hölle zu schlafen, die Ármste . . . Es war fur sie ein Glúck, die Puppe zu bekommen. Nein, nein . . . Die Puppe! . . . Olöf die Puppe geben! . . . Sie mit der Puppe zur Hölle fahren lassen und sie dort dann haBIich gegen sie sein lassen . . . Nein, das wúrde sie niemals tun. Das nútzte auch nichts. Olöf machte sich ja doch nichts aus einer Puppe. Sie konnte nicht besser schlafen, auch wenn sie die Puppe hátte. Sie wollte die Puppe gar nicht haben. Sie wtirde ihr nur die Kleider herabziehen und sie ganz zerreiBen, um mit ihr Kleider zu flicken. Und Klein-Sigga umschlang ihre Puppe noch zártlicher und fester. Aber, was sollte sie tun? Olöf durfte doch nicht in die Hölle fahren. Klein-Sigga schien das immer schwerer und schrecklicher, sie wurde immer ángstlicher und ángst- licher bei dem Gedanken. Sie betete das Vaterunser und den Abendsegen und bekreuzigte sich. Mehr hatte sie nicht gelernt. Und dann fugte sie hinzu: — „Jesus Christus, bitte, laB Olöf nicht in die Hölle fahren . . . Ich will auch jeden Abend das Vater Unser beten und immer artig sein. Es schadet nichts, wenn sie auch unfreundlich gegen mich gewesen ist, wenn sie mich aucli getreten und mich geschlagen hat. LaB sie nicht in die Hölle kommen, trotzdem sie das getan hat. Ich vergebe ihr alles.“ Sicher war es aber wohl nicht, daB Jesus Christus verhindern konnte, daB Olöf in die Hölle kam. Er wohnte doch nicht unten in der Erde . . . Aber der Teufel, der wohnte in der Erde. Das hatte sie so oft gehört. Sie hatte den Teufel dort sogar selbst gehört! Als sie im Frúhling nach dem Schluchtrand gegangen war, da hatte sie ihn tief, tief unten gehört. Er hatte ,,gol—1, gol—1“ gesagt, immerzu „gol—1, gol—1". Und Sigga hatte sich so sehr gefúrchtet und war nach Haus gelaufen und hatte es den Mádchen erzáhlt. Und die hatten ihr gesagt, es wáre sicherlich der Teufel gewesen und sie solle nur niemals wieder an den Schluchtrand gehen . . . Der Teufel aber da unten in der Erde holte alle bösen Menschen, wenn sie im Grabe lagen und fuhr mit ihnen in die Hölle. Das hatte Olöf ihr selbst gesagt. . . Wie konnte Jesus Christus ihr nur helfen ? . . . Wieder stieg Klein-Siggas Furcht. Wieder vergaB sie ihre Puppe und warf sich im Bett hin und her, richtete sich dann plötzlich auf und lauschte sorgfáltig auf die Atem- zúge und das Schnarchen der schlafenden Menschen in der Wohnstube, wie wenn sie dabei hören könnte, was sie tun sollte. Dann legte sie sich wieder hin, nahm die Puppe in den Arm, kroch tief ins Bett hinein únd zog die Decke úber den Kopf. Aber schlafen konnte sie doch nicht. Sie konnte únd konnte den Gedanken nicht los werden, wie schwer es doch Olöf hátte, wenn der Teufel sie in diese entsetzliche Hitze holte und sie nie schlafen und nie, nie wieder aus der Hölle herauskommen könnte. Nach langer Qual fielen ihr die Passionslieder wieder ein. Gunna hatte ihr gesagt, sie wúrden deshalb auf die Brust gelegt, damit keine bösen Geister an die Menschen Eerankommen könnten. Aber sie waren doch nicht auf Olöfs Brust in die Kiste gelegt "'orden. Die Leute hatten im Zimmer daraus gesungen, ehe Olöf nach vorn gebracht und in den Sarg gelegt worden war. Sigga hatte gesehen, daB sie dann auf das Gestell Hber Olöfs Bett gelegt worden waren. 133
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