Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1930, Page 106
H. Erkes, P. Herrmann, C. Dierbach, C. Kucbler bieten eine unvergleich-
licbe Einfiihrung in die Landschaft. Es ist ganz natiirlich, da£S die meisten
Bilder sich im Einfiihrungsband befinden. So ist denn alles getan, was der
Eeser nur irgendwie verlangen und erwarten kann. Die Úbersetzungen
lesen sich fast durchweg glatt, und fiir die Richtigkeit nach heutiger Kennt-
nis sprechen die Namen der Úbersetzer. Dai3 man ab und zu eine Einzel-
heit anders wiinschte und in neuen Auflagen auch sonst gelegentlich Ver-
besserungen möglich sind, braucht nicht erst hervorgehoben zu werden.
In dieser kleinen Wiirdigung der hier geleisteten Arbeit scheint es mir
nicht angebracht, iiber Wert und Bedeutung der altnordischen Literatur
zu sprechen. Unseren Lesern könnte ich hier in kurzer Darlegung nichts
Neues bieten. Dafiir will ich aber noch darauf eingehen, in welcher Weise
der riesige Stoff eingeteilt ist.
Die beiden ersten Bánde enthalten die Eddaiibersetzung von F. Genz-
mer. Es herrscht heute kein Zweifel dariiber, dai3 diese d i e Eddaiiber-
setzung ist. Sie kommt dem Original so nahe, wie nur möglich und durfte
sich zum Zweck der Erklárung und Vertiefung Andreas Heuslers Mitarbeit
erfreuen. Die Bánde 3—12 enthalten dann die Islándergeschichten, grup-
piert nach Eandschaften, nach Verwandtschaft des Inhalts, nach Gleich-
heit des Berufs (Skaldengeschichten); diesen folgen dann in 13 die Grön-
lánder- und Fáringergeschichten; mit 14 setzt eine neue Reihe ein: zuerst
in 3 Bánden Snorris Königsbuch, dem sich zwei Bánde norwegischer Königs-
geschichten, im ersten Þættir, im zweiten die Geschichte von König Sverri
und König Hákon Hákonshof anschliefien; darauf folgen passend in 19
die Geschichte von den Arkaden, Dánemark und der Jómsburg. Band 20
enthált die Snorraedda und den ersten grammatischen Traktat; mit 21
kommen wir zu den prosaischen Heldenromanen, von denen die wichtigsten
kleineren (Geschichte von den Wölsungen, von Ragnar Lodbrók, von Nor-
nagest, von Hrolf Kraki) einen Band bilden, wáhrend der náchste Band
die ganze Geschichte von Dietrich von Bern bringt. Ein 23. Band fuhrt
dann zur islándischen Geschichte (Islánderbuch Aris, Besiedlungsbuch
und eine Auswahl aus den Bischofsgeschichten), worauf dann Band 24
mit einer Auswahl aus der Sturlungasaga den BeschluB bildet. Daí3 bei
den Ritterromanen, den Bischofsgeschichten und der Sturlungengeschichte
eine Auswahl den Gesamtwerken vorgezogen ist, scheint durchaus be-
greiflich, da diese Literaturwerke nie gleiches Interesse erwecken können
wie die Islándergeschichten. Wer diese Stoffverteilung iiberbhckt, wird
vielleicht bedauern, dal3 ein eigener Band: Skaldendichtung fehlt. Das mag
man vermissen, weil die Skaldendichtung neben den Islándergeschichten
die wichtigste Seite der altislándischen Eiteratur ist. Aber hier sind die
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