Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1930, Síða 110

Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1930, Síða 110
die Synode der luth. Kirche in Kopenhagen, iiber die Entwicklung der isl. Gemeinde in Kopenhagen. Lehrreich ist der Lberblick, den der Bischof Dr. Jón Helgason íiber die Kirche Englands im 19. Jahrhundert gibt, oder der Bericht, den Sóra Sigurður Einars- son tiber das kirchliche Leben in Finnland bringt. Ein Jahresbericht iiber die Ange- legenheiten der Kirche Islands (vomHerausgeber), Anzeige eines neuen wichtigen Buches (Magnús J ónsson: Paulus) und Hinweise auf die wichtigsten neuen theologischen Biicher des Jahres auf Island, in Dánemark, in Schweden und in Norwegen schlieöen mit der Abrechnung des Pfarrervereins den gehaltvollen 11. Band. Ich zweifle nicht, daB auch fur einen deutschen Theologen mancherlei zu lernen ist, fúr den Nichttheologen ist die Anregung jedenfalls auBerordentlich reich. W. H. SAGA, Missirisrit. Ritstjóri: Þorsteinn Þ. Þorsteinsson. Winnipeg. Unter diesem Titel gibt Þ. Þ. Þ. seit 5 Jahren eine Halbjahrsschrift heraus, von der er mir die beiden Hefte des 5. Jalirgangs (1929/30) zugeschickt hat. Die Absicht des Unternehmens ist, unter den Islándern in Amerika die Liebe zur Heimat, zur heimischen Sprache und Art zu erhalten und zu pflegen. Ein úberaus vielseitiger Inhalt dient dieser Aufgabe; die sinnende, grúbelnde Art des Herausgebers, der ein Kúnstler und Dichter ist, weiB die verschiedenartigsten Stoffe auszuwáhlen, die aber alle eine groBe, gemein- same Linie einhalten. Auf Einzelheiten will ich hier nicht eingehen; nur auf eins will ich hinweisen, auf die „Tagebucher des Bjart Dagsson", in denen nach und nach die Erlebnisse und Entwicklung eines jungen Islánders dargestellt wird, der in Winnipeg eingewandert ist. Hier findet sich ein reicher Beobaclitungsstoff zur Kulturgeschichte des Islánders in Amerika. — Die Initialen und SchluBvignetten zeigen einen phantasie- reichen Kleinkúnstler bei der Arbeit, dem es offenbar auch nicht an Humor fehlt, alt- nordische Tierornamentik in moderner Form. IV. H. ODDUR BJÖRNSSON: Gríma. Þjóðsögur. Jónas Rafnar bjó undir prentun. Akur- eyri 1929. 1908 gab Jónas Jónasson vom Pfarrhof Hrafnagil bei Akureyri einen ersten Band „Þjóðtrú og Þjóðsagnir" (Was das islándische Volk glaubt und sich erzáhlt) heraus, eine Anzahl kurzer Geschichten, die Oddur Björnsson gesammelt hatte, deren erhoffte Fortsetzung jedoch nicht erfolgte. Jetzt hat nun der Sohn des leider zu frúh (1918) verstorbenen Jónas Jónasson, unter dem im Anklang an Hrafnagil angenommenen Familiennamen Rafnar, die Veröffentlichung weiterer Geschichten aus dem reichen Schatze der Björnssonschen Sammlung begonnen. Als Sammeltitel wáhlte er den Namen „Gríma". Das erste Heft brachte auf 82 Druckseiten 23 kúrzere und lángere Geschichten, alle unter genauer Angabe ihrer Herkunft und alle folkloristisch höchst interessant. Weitere Hefte sollen in kurzem Abstande folgen und die ersten funf als Bd. 1 der „Gríma" Namen- und Inhaltsverzeichnis erhalten. Es ist erfreulich, daB die Islánder sich angelegen sein lassen, die bei einem Teile ihres Volkes noch lebendigen volkstúmlichen Erzáhlungen und líberlieferungen zu sammeln, ehe die neue Zeit sie unwiederbringlich verweht; und soseidieser Sammlung, die sich den bereits im Erscheinen begriffenen frúheren Sammlungen ('lslenzkar Þjóðsögur og Þjóðsagnir von Sigfús Sigfússon, seit 1922, und Gráskinna von Sigurður Nordal und Þorbergur Þórðarson, seit 1928) wúrdig anschlieBt, bester Erfolg beschieden. H. E. XXI. KLEINE NACHRICHTEN Unser Mitglied, der islándische Historiker mag. art. Bogi Thorarensen Melsteð ist am 12. November 1929 im Alter von 69 Jahren in Kopenhagen an einer Lungenentzúndung gestorben. Seine Leiche wurde nach Island tibergefúhrt. Er war seit lángeren Jahren herzleidend und fand wiederliolt in Bad Nauheim Erholung. Er schátzte deutsche Forschung sehr hoch und liebte das deutsche Volk. Sein groBes Werk „Geschichte Is- lands", von dem bis 1920 zwei Bánde und mehrere Lieferungen des dritten Bandes er- schienen, ist leider ein Torso geblieben. Wir werden dem Verstorbenen ein treues An- denken bewahren. 140
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