Milli mála - 01.01.2013, Page 105
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gen wären, deren Kontext von außen betrachtet als willkürlich oder
als eine Art Tunnel erscheint.
Wie bereits erwähnt könnte man m. E. die Schiffspassage, die
Tómas Sæmundsson von Dänemark nach Island brachte, durchaus
noch seiner Grand Tour zuschlagen, zumal nicht etwa Kopenhagen,
sondern Island sein Zielort war. Betrachtet man die Reise aber nicht
nur mechanisch als Bewegung von Ort zu Ort, als Reise zwischen
Abfahrt und Ankunft, sondern als eine Passage im übertragenen
Sinne, d. h. einen Übergangsraum zwischen zwei Lebensphasen,
dann kann man sogar die vielen notwendigen Bewegungen in Island
noch als zu dieser Zwischenphase gehörend betrachten und damit
die gesamte Zeit bis zu seiner Ansiedlung in Breiðabólsstaður im
Sommer 1835.
4. Reiseliteratur in der Konzeption von Fjölnir
In den zwei Jahren zwischen Universität und Pfarramt hatte Tómas
Sæmundsson mehr von der Welt gesehen, als den meisten isländi-
schen Zeitgenossen in ihrem ganzen Leben gelingen konnte. Diese
Erfahrung und die entsprechenden Kenntnisse mussten ihm unwei-
gerlich, zumindest in der nächsten Zukunft, als Maßstab dienen.
Im ersten Winter nach seiner Rückkehr nach Island und wäh-
rend seiner provisorischen Aufenthalte in Laugarnes und Garður
stand Tómas Sæmundsson zweifellos noch unter dem Eindruck
seiner Reisetätigkeit. Gleichzeitig war er bereits maßgeblich in die
Konzeption von Fjölnir involviert. Es kann daher nicht verwun-
dern, wenn er beides miteinander verknüpfte. In einem Brief vom
20. September 1834 an seine Mitherausgeber heißt es u. a.:
Mir scheint es zunehmend notwendig, den Leuten hier mehr von der
leichten Kost als vom allzu Ernsthaften zu geben, − am besten die neues-
ten Reisebücher zu übersetzen und Auszüge anzufertigen, wie zum
Beispiel Sander in Afrika, Jaquemont in Indien, Chateaubriand von Paris
nach Jerusalem etc. etc. Hier bittet man mich dringend um ein Reisebuch,
doch ich befürchte, dass es, wenn es irgendwann herauskommt, die
MARION LERNER