Mitteilungen der Islandfreunde - 01.12.1935, Blaðsíða 10

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sondern auch noch ziemlich unwissend, welcher Schátze es sich hier entáuCerte. Nun, man kann jedenfalls den „groCen Brudern“, wie sie sich daheim in Island gern bezeichnen, nicht nachsagen, sie hátten ihre Sache nicht verstanden, denn bis auf die besagten Kuriositáten, die sich ja leider nicht versetzen lassen und auBerdem vielleicht mitunter von zweifelhaftem Werte sein mögen, haben sie Island an Ruhmlichkeiten so gut wie nichts iibriggelassen. Diese Enteignung, welche iibrigens durchaus gesetzlich, in Form eines Han- dels, vonstatten ging, hat man spáter schlechterdings als die Rettung des islán- dischen Literaturschatzes hingestellt, indem man darauf hingewiesen hat, dafi dieses völlig verarmte und kulturell heruntergekommene Inselvolk, wie es die Bewohner Islands derzeit gewesen seien, gar keinen Begriff vom Werte dieser Sachen gehabt habe und sie womöglich zuguterletzt als Brennmaterial verbraucht haben wiirde. Diese Erklárung mag nicht ganz unbillig sein, aber sie hat den Nachteil, dafi sie einem leicht die Erage heraufbeschwört, wer denn eigentlich diesen Tiefstand dort oben in Island verschuldet hat. Die Sache war doch wohl die, dafi jene skandinavischen Entdecker, die um die Mitte des 17. Jahrhunderts die literarischen Goldfunde in Island machten, etwa 300 Jahre friiher ihre Vor- gánger gehabt hatten. Es waren dies jene weitblickenden norwegischen Staats- mánner, die Island als eine recht ertragreiche Kolonie ihres Landes unterwarfen, was dann spáter fiir Island die dánische Herrschaft zur Folge hatte, und dieser kann man, ohne zu viel zu behaupten, wohl nachsagen, dafi sie mit ihrer Wirt- schaftspolitik in Island ihren Humanisten, also jenen ,,Rettern“ der islándischen Geistesgiiter, so recht eigentlich in die Hánde gearbeitet hat. Wiewohl nun die Behauptung von der islándischen Verkommenheit fiir diejenigen, die etwas náher Bescheid wissen, nicht ganz einwandfrei scheint — denn das islándische Volk ist trotz redlichster Bemiihungen seiner Herren nie zu einem Pöbel herabgesunken — sollen hier der Úberfiihrung islándischer Schriften nach Skandinavien ge- wisse Vorteile nicht abgesprochen werden. Die Werke waren sicher in skandina- vischen Biichereien besser aufgehoben als in islándischen Torfhiitten. Ferner waren sie hier durch lange Zeit der gebildeten Welt weit zugánglicher, als wenn sie in Island geblieben wáren. Aber wenn auch all das dem Werk an sich zum Se- gen gereichte, so hat es darum nicht weniger zugleich dazu beigetragen, seine Legitimation zu verwirren und Islands eigentliches Recht und wahren Anteil an ihm und somit seinen Hauptanspruch als Kulturvolk vor der gesamten ge- bildeten Welt zu entwerten. Als um die Wende des 17. Jahrhunderts die alte islándische Literatur von skandinavischen Altertumsforschern entdeckt wurde, entfesselte dieses Ereig- nis in der ganzen nordischen Gelehrtenwelt einen wahren Sturm der Begeiste- rung. Man konnte sich in dem Lobe der Edda und der norwegischen Geschichts- 46
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