Árbók Háskóla Íslands - 02.01.1925, Side 29
letzten Zeit ist die alte Hausindustrie síark zurúckgegangeii.
Sie hat nur mit groszer Muhe gegen die maschiriengewebten
Stoffe konkurrieren können. aber ist doch keineswegs ver-
schwunden. Es wird auch betráchthch daran geax-beitet, ihr zu
eiixem neuen Aufschwung zu verhelfen. Teils werden bessere
Geráte eingefúhrt (ldeine mit Handkraft hetriehene Spinnma-
schinen u. dgl.), teils versucht man, die Qualitát der Erzeug-
nisse zu vei-bessern. Aher nicht nur die Kleider fúr die gesamte
Bevölkerung stellte die alte Hausindustrie her, sondern zugleich
íxuch fast alle notwendigen Gebrauchsgegenstánde. In sozusagen
jedem Hause besasz man die xxotwendigsten Kenntnisse und
Gerátschaften zur Yerarbeitung von Holz und Metall, sogar
Gebáude aller Art wurden zum gröszten Teil von den Bewoh-
nern des Hofes errichtet. Die Abgeschiedenheit von der úhrigen
Weli und die kúmmerlichen Handelsverháltnisse machten es
zu einer Lebensbedingung, sich selher helfen zu können. Diese
Yerháltnisse standen natiirlich der Entwicklung einer Fach-
industrie im Wege, aber gabeu auf der anderen Seite der Arbeit
reiche Abwechslung und machten die Bewohner des Landes zu
geschickten, erfinderischen und praktischen Menschen.
Die Hausindustrie hat im Leben und in der Arbeit der Is-
láxxder eine gröszere Rolle gespielt, als gemeinhin aixgenonxmen
wird. In dem kurzen Sommer oder in der Fangzeit waren
sicherlich alle Hánde von der produktiven Arbeit, Heuernte
oder Fischfang, in Anspruch genommen, aber mit denx Eintrítt
des Winters verándert sich plötzlich das ganze Bild. Sþinxi-
rocken und Webstuhl werden in Gang' gesetzt, und fleiszige
Frauenhánde arbeiten einen langen Arbeitstag' xmx die Wette,
wáhrend die Mánner, sobald sie mit der Wartung der Tiere
fertig sind, ehenfalls nxit dieser oder jener Heimarbeit beginnen.
Das Haus ist zu einer kleinen Fabrik oder Werkstatt geworden,
die Gebrauchsgegenstánde aller Art fertigt. Diese Abwechslung
des Lebens in der freien Natur, in der Landwirtschaft und beim
Fischfang, und die industrielle Bescháftigung daheim ist
zweifellos gesúnder und fúr die Entwicklung von Leib und Seele
giinstiger gewesen als die moderne Groszindustríe.
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