Árbók Háskóla Íslands - 02.01.1925, Side 44
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von guter Beobachtungsgabe underinnertlebhaítanmodernean-
thropologische Untersuchungen, nur mit dem Unterschied, dasz
die Gröszenverhallnisse liier nicht in Zahlen angegeben sind.
Eine Sammlung der Personenbeschreihnngen der Sagas findet
man in Richard Heinzels: Beschreihung der islándischen Saga,
Wien 1880. Der Verfasser hat jedoch keine Ubersicht iiber das
Vorkommen bestimmter anthropologischer Eigenschaften ge-
geben, z. B. dunkler und heller Augen, sodasz seine Sammlung
noch zu wiinschen iihrig lászt.
Die hauptsáchlichsten Angaben der Sagas laufen ungefáhr
darauf hinaus, dasz das Volk schon zur Zeit der Besiedelung
eine Mischung aus zwei oder mehreren Rassen darstellte. Wir
haben teils Bericlite von auszerordentlicher Körpergrösze, teils
von Menschen mit selir niedrigem Wuchs, mit blondem Haar
und heller Augenfarhe oder mit schwarzem Haar und dunklen
Augen. Bei einigen wird das Gesicht als langgestreckt, bei an-
deren als kurz und rund geschildert, hisweilen ist die Haut-
farbe bráunlich, aher gewölmlich ist sie weisz. Man kann
beim Lesen der Sagas lcaum daran zweifeln, dasz in diesen
alten Zeiten sehr verschiedenartige Typen verlreten waren,
auch wenn hoher Wuchs, Ijlondes Haar und helle Augen die
am háufigsten auftretenden Eigenschaften sind. Diese Anga-
hen iiber die Zustánde in vergangenen Tagen sind keineswegs
ohne Bedeutung.
Wenn man von den variierenden und unzuverlássigen An-
gaben der Reisebeschreibungen1) ahsielit, so ist der bekannte
1) Von diesen kann man z. B. nennen C. W. Pajkull: En sommer i
Jsland, I4bh. 1867, wo foigende Schilderung der Islander gegeben
wird: „Als etwas merkwiirdiges fiilirt man die oft vorkonnnende
starkere Konvexitat des Weiszen im Auge an, gegenuber den Ver-
hiiilnissen bei anderen Völkern. Was in Bezug auf die Körpergestalt
den Islander auszeichnet, ist seine auffallend starke Untersetztheit,
der lange Rumpf und die kurzen Beine. Ich nehme an, dasz die Ursaehe
dcr Untersetztheit darin zu suchen ist, dasz die nordischen Vorviiter
der Islander denselben Körperbau besessen liaben, den die Islánder
dann unvermischt l>ewahrt haben.“ An einer anderen Stelle sagt er
jedoch: „Die áuszere Erscheinung der Islánder áhnelt der der Scliwe-
den oder Norweger in den nördlicheren Teilen dieser Lánder. Sie
haben einen kráftigen Körperbau und sind gut gewachsen und gut