Árbók Háskóla Íslands - 02.01.1925, Side 37
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Wohnungen auf Island stets sehr primitiv und meist sehr elend
gewesen sind, Noch heute halten sie keinen Vergleich mit den
Wohnungen in den Nachbarlándern aus.
b. Die islándische Kleidung stand im groszen
und g'anzen kaum wesentlich hinter dem im Norden iiblichen
Durchschnitt zuruck. Das Land liefert ja Wolle, und diese
wurde bis in die letzten Jahrzehnte auf den Höfen zu Kleidern
verarbeitet. Solange eine derartige Hausindixstrie bliiht, braucht
man kaum zu befiirchten, dasz sich die Leute nicht ausreichend
mit Kleidung versehen können, auch wenn Schnitt und Qualitát
oft viel zu wúnschen iibrig lassen. In frúheren Zeiten wurden
ganz allgemein Felle und Pelze verwendet, doch sieht man sie
jetzt seltener, was unzweifelhaft einen Rúckschritt bedeutet.
Sehr bedenklich sieht es mit der islándischen Kleidung aus,
was das Schuhzeug betrifft. Es wird gewöhnlich aus ungegerb-
ter Tierhaut hergestellt, ist unreinlich und wenig haltbar, und
gewáhrt auszerdem selir geringen Schutz gegen Wasser und
Feuchtigkeit. Die natiirliclie Folge davon sind nasse Fúsze,
auszer in ganz trockenem Wetter.
c. Die Ernáhrungsverháltnisse sind wenig-
stens in friiheren Zeiten höchst mangelhaft gewesen. Schon die
Tatsache, dasz das Land kein Brotgetreide hot, im Verein mit
den viele Jahrhunderte lang schlechten und ungenúgenden
Handelsverháltnissen, macht es olme weiteres verstándlich, dasz
das Volk zum gröszten Teile auf tierische Nahrungsmittel an-
gewiesen war, die man selber herstellen konnte. Brot war lange
Zeit so gut wie unbekannt, Griitzbrei und andere Mehlspeisen
ebensowenig. Die Hauptnahrungsmittel waren also getrockne-
ter Fisch (Stockfisch), Fleisch und Butter und andere Milch-
produkte. Ein eigentúmliches Milchprodukt der Islánder war
das „skyr“, eine Art geronnener sáuerlicher Milch, das viele
Monate aufbewahrt werden konnte und in Wirklichkeit ein
gesundes und nahrhaftes Nahrungsmittel war. Diese einförmige
Kost war kráftig genug, und solange man sie reichlich hatte,
ging alles gut. Recht reichliche frische Milch glich manche
Mángel in der Kost der Landbevölkerung aus und bewalu-te sie
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