Árbók Háskóla Íslands - 02.01.1925, Side 38
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vor Skorbut und anderen Vitaminkrankheiten. Eine áhnliche
Rolle spielte bei den Fischern, die weniger Milch hatten, die
Dorscldeber u. dgl. Zahnkrankheiten waren sicherlich weit
weniger ausgehreitet, als sie es heutzutage sind, was zum Teil
dem kráftigen Kauen des harten Stockfisches zu verdanken ist,
der oline aufgeweicht oder gekocht zu werden gegessen wurde.
Wer daran gewöhnt ist, Stockfisch auf diese Weise zu genie-
szen, dem wird es nie einfallen, ihn zu kochen. Den Mangel an
Kohlenhydraten suchte man teihveise dadurch auszugleichen,
dasz man islándisches Moos (lichen islandicus), mit etwas
Mehl vermischt, zu Brot und Griitze verwendete. Wenn das
Moos riclitig zubereitet wurde, war es eine nahrhafte und leicht
verdauliche Kost, die hinter den Getreidearten nicht weit
zuriickstand, aber oft liesz die Zuhereitung viel zu wunschen
iibrig. In áhnlicher Weise verwendete man Tangarten (i-liodv-
menia palmata u. a.) als Nahrungsmittei und in Miszjahrcn
sogar Futterpflanzen wie Klee (trifolium repens).
Diese mannigfachen Versuche, sozusagen alles Mögliclie als
Nahrungsmittel zu verwenden, beweisen zur Geniige die
Schwere der Zeiten. Schon kurze Zeit nach der Besiedelung
des Landes hat man Berichte von schweren Miszjahren, Hunger
und Not. Das „Besiedelungsbuch“ herichtet von Miszjahren und
einer Hungersnot im 10. Jahrhundert, die so schwer war, dasz
die Menschen Rahen und Fiiclise als Speise verwendeten und
alte und gebrechliche Leute ersclilagen oder von hohen Felsen
hinabsturzen lieszen. Das islándische Klima ist sehr launen-
haft und in sclilechten Jahren auszerordentlich streng. Dann
fúllt das Treiheis die Fjorde des Nordlandes, hindert die Fische-
rei und jegliche Verkehrsverbindungen und verwandelt den
kurzen Sommer in kalten Herbst, sodaz das Gras nicht ordent-
lich wachsen kann, wodurcli dann wieder Futtermangel entstelit
und das Vieh verhungert. Zuletzt kommt dann die Reihe an
die von der Umwelt abgesperrten Menschen, Hungersnot und
Hungertod sind die Folge. Derartige Miszjalire liaben sich in
lángeren oder kúrzeren Zwischenráumen immer wiederliolt,
sodasz man sagen kann, dasz das Land vonHungerundHungers-
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