Árbók Háskóla Íslands - 02.01.1925, Side 27
17
wegen, der unter der Eroberung des ganzen Reiches durch
Haraldr hárfagri am meisten zu leiden und dabei zu verlieren
hatte, sondern die Háuptlinge und die vornehmen, privilegier-
len Geschlechter. Diese waren es, die den strengen Herrscher
fiirchteten oder zu stolz waren, sich unter seine Herrschaft
zu beugen. So verlieszen sie das Land und wandten sich in
erster Linie nach Island, wobei die britischen Ivolonien ab und
zu eine Zwischenstation auf dem langen Wege bildeten. Selbsí
auf den britischen Inseln fiihlten sich die dortigen Háui)tlinge
nicht sicher vor dem weitreichenden, starken Arm König Ha-
ralds, sodasz sie ebenfalls von der Auswanderungswelle ergrif-
fen wurden, die sie an Islands schneebedeckte Kusten spúlte.
Viele Hoffnungen erlitten wohl bei dieser Gelegenheit Schiff-
bruch, nicht zum mindesten bei denen, die mit den rauhesten
und unfruchtbarsten Gegenden des Landes vorliebnelimen
muszten, wie z. B. Önundr tréfótr (Holzfusz), der beim An-
blick des versclineiten Berges Kaldbakr ausrief:
Hefk land og fjöld frœnda Heimat hab ich und Freunde
flýit en hitt er nýjast: Hinter mir, musz kúnden:
kröpp eru kaup, ef hreppek Kláglich ist’s, Kaldbakr zu
Kaldbak en lœt akra. tauschen,
Kornland daheim ist verlorn,1
worauf ein schon vor ihm eingetroffener Ansicdler antwor-
tete: „Viele haben so viel in Norwegen verloren, dasz sie es
nicht ersetzt bekommen!“
2. Lebensverháltnisse der Bevölkerung.
a. Erwerbszweige.
Die Erwerbszweige des Landes sind hauptsáchlich Land-
wirtschaft und Fischfang. Von Landwirtschaft lebten im Jahre
1910 etwa 51% der Bevölkerung, dagegen nur 18,5 % von Fisch-
fang. Die Landwirtschaft beruht im wesenthchen auf Schaf-
1) Úbersetzung von Paul Herrmann.
3