Árbók Háskóla Íslands - 02.01.1925, Page 31
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Unterschiede in den lokalen Volkstypen erwarten, wie man
in Island auch nur schwache Spuren von Dialekten findet.
Im letzten Menschenalter ist eine bedeutende Veránderung
in diesen Verháltnissen eingetreten. Die jungen Leute vom
Lande sind in die Ortschaften an der Kiiste geströmt, wo ei-
nen groszen Teil des Jahres hindurch Arbeitslosigkeit herrscht.
Die Fischerei hat sich allmáhlicli zu einem höchst spezialisierten
Erwerbszweig entwickelt, der nicht, wie fruher die Fischerei
mit Booten, auch Ungeubten offen steht. Gleichzeitig hat die
Landbevölkerung naturgemász zum gröszten Teil aufgehört,
sich im Winter an die Kuste zu begeben, um an der Fischerei
mit Booten teilzunehmen. Dies hat jedoch den lebhaften Verkehr
zwischen den Kiistenplátzen und dem Lande keineswegs auf-
gehoben, da auch fernerliin Leute von der Kiiste sich aufs Land
begeben, um an der gut bezahlten Erntearbeit teilzunehmen.
Die verháltnismászig guten Verbindungen heutzutage mit
schnell verkehrenden fahrplanmá&zigen Schiffen veranlassen
auch einen stándigen Strom von Leuten aller Stánde zu
háufigen Beisen hin und her. Man bekommt wenigstens den
Eindruck, dasz die Islánder weit reiselustiger sind und weniger
l'est an ihrer Heimat hángen, ais es in Norwegen der Fall ist.
Auch Beisen und Auswanderung nach anderen Lándern und
Weltteilen sind fiir viele eine Selhstverstándlichkeit. In der Tat
sind viele ausgewandert, was man daraus ersehen kann, dasz
die Zalil der Islánder allein in Amerika auf etwa 20000 ver-
anschlagt wird; einzelne Personen und Familien trifft man in
sozusagen allen Lándern an, vom höchsten Norden his hinunter
nach Singapore und Australien.
Auch die Fischerei hat ihren Anteil an dem Wanderleben
der Islánder. Die groszen Fischereifalirzeuge befahren die
Hálfte der Kiiste des Landes, und viele Fischer aus dem Si'id-
lande begeben sich im Sommer an die Ostkiiste, um dort Fische-
rei zu treiben. Der gröszte Teil der islándischen Ansiedelungen
lebt daher in lelúiaftem Verkehr untereinander.
Aus dem Gesagten ergibt sich, dasz die tágliche Arbeit der
lslánder ungewöhnlich abwechslungsreich gewesen ist. Ernte-