Árbók Háskóla Íslands - 02.01.1925, Síða 39
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not periodisch heimgesucht worden ist. Mehrere Hungersnöte
wurden durch grosze Vulkanausbriiche hervorgerufen. Dicke
Schichten von vulkanischer Asche verbreiteten sich im Laufe
von kurzer Zeit tiber ausgedehnte Land&trecken und erstickten
jeglichen Pfanzenwuchs, sodasz die Tiere kein Futter hatten
und vor Hunger starben.
Die Zwischenráume zwischen solchen Miszjahren und Natur-
katastrophen waren die lichten Augenblicke im Leben der Be-
völkerung. So ging es immer wieder, wenn auch langsam,
aufwárts, obwohl man von allgemeinem Wohlstand nur liöchst
selten sprechen konnte, der dann auch nur von kurzer Dauer
war. Man kann wohl ohne Úbertreibung sagen, dasz ein groszer
Teil des Volkes stets unter sehr eingeschránkten und zuzeiten
so kiimmerlichen Verháltnissen lebte, dasz es wohl auf Wahr-
heit beruht, was alte Leute iiher die Lebensweise in der ersten
Hálfte des 19. Jahrhunderts sagten: „Ordentlichsattessenkonntc
man sich nur bei festlichen Gelegenheiten.“ Natiirlich sind da
die Ármeren unter dem Volke gemeint. Glánzend waren die
Verháltnisse in alter Zeit auch im iibrigen Norden nicht, viel-
leicht zuzeiten ebenso schlecht, aber soviel ist sicher: der Kampf
ums Dasein ist durchgehends hart gewesen auf Island, vielleicht
umso hárter gegeniiber den anderen Lándern, als das islándische
Klima kálter war. Erst im letzten halben Jahrhundert hat die
Ernáhrung des Volkes sowohl qualitativ wie quantitativ wesent-
liche Verbesserungen erf'ahren. Heutzutage ist es zweifelhaft,
ol) die Ernáhrung der Islánder nennenswert hinter dem fiir
den iihrigen Norden geltenden Durchschnitt zuriicksteht, und
es ist jetzt lánger als 100 Jahre her, seit die Islánder unter einer
regelrechteu Hungersnot zu leiden gehabt haben, dank der Ent-
wicklung des Handels und der Erwerbszweige.
4. Einwohnerzahl, Geburten und Sterblichkeit.
Nach Angabe des „Besiedelungsbuches“ wurde das Land im
Laufe von 60 Jahren vollstándig besiede.lt, „sodasz nach dieser
Zeit die Einwohnerzahl nicht zugenommen hat“, wie es weiter