Bibliotheca Arnamagnæana - 01.06.1950, Page 282
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und Såmund sich innerhalb dieser Grundform bewegen: ob sie mehr oder
weniger ausgefiillt ist. Der Grenzfall liegt bei Magnus dem Guten: hier
steht Grundform gegen Lebenslauf (in den Ubersichtswerken). Wenn
man die Moglichkeit bedenkt, daB die Vorstufe auch Agr.s und Th.s
die Grundform besessen hat, so scheint die SchluBfolgerung hier dahin
zu drången, daB das Konungatal sein Vorbild Såmund getreu, wenn auch
wohl in schematischer Verkiirzung spiegelt, und Såmund diesen seinen
letzten Konig in die Form der iibrigen Biographien gegossen hat. Auch
mit der Auslassung von Olafs Flucht nach RuBland diirfte das Gedicht
Såmund widerspiegeln, nachdem dieser Bericht bei Th. und Agr. als
eine sekundåre Aufschwellung von deren Vorstufe erscheint. Dagegen
ist ein Febien von Mission und Gesetzgebung gemåB dem Gedicht in
Anbetracht von Såmunds Stiick iiber Olaf Tryggvissohn unwahrschein-
lich. Hier kiirzt der Skalde fast durchgehend auf die Regierungsjahre.
Offen muB bleiben, ob Såmund schon die Aufschwellungen von Beginn
und Ende und den AnschluB der Jugendgeschichten gekannt hat. Doch
bezeugt immerhin auch Snorri, der mit seinem knappen AbriB Olaf Trygg-
vissohns ja dem Konungatal sehr nahe steht, eine Grundform fur Olaf
ohne Ausweitungen und Jugend15.
6. ARI
Uber Ari FroSis Konungaåfi låBt sich aus den vier zuverlåssigen Er-
wåhnungen in den Konigssagas folgendes gewinnen16: Sigurd Jarl wird
15 Noregs konungatal setzt das Schema der Dreiteiligkeit in seiner 2. Hålfte
uber Såmund hinaus selbståndig fort (Str. 41—72). Dabei wird fur Haraid den
Harten die Ahnenreihe: Harald Schonhaar—Sigurd Hrisi—Halfdan—Sigurd Syr
vorgesetzt, als deutlich markierter Einsatz. Das entspricht ebenfalls den Ubersichts-
werken (s. u. S. 315 f.). Der Verfasser verråt jedoch eine gewisse Unsicherheit in
der Handhabung des eigenen Schemas: bei Eystein Magnussohn und Sigurd Jerusa-
lemfahrer bringt er im Mittelteil Angaben iiber die Regierungszeit hinaus (Str. 52
u. 54) ; desgleichen wird der Biirgerkrieg zwischen Magnus dem Blinden und
Harald Gilli umschrieben (Str. 59). Hier glaubt man durchfiihlen zu konnen, daB
keine Vorlage in Grundform mehr vorhanden war und der Dichter selber aus der
bunten Stoffulle hat auswahlen mussen.
16 Ich schliefie mich in der Beurteilung der Anfiihrungen Aris F. Jonsson, Litt.
Hist. 2, S. 351, und E. Hagnell, Are Frode och hans Forfattarskap (Lund 1938)
S. 128 f., an.