Bibliotheca Arnamagnæana - 01.06.1950, Page 296
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einen vereinten regnum Norwegiae sich abspielend. Das Ganze ist Auf-
fassung eines Geistlichen, der Kirche, und gezeigt ist bereits deren Ein-
fluB auf die stofflichen Bestandteile der Olafssaga. Nun erkennt man,
wie die kirchliche Sicht die Auffassung des gesamten Umkreises Olafs
geprågt hat: von der Ankiindigung seiner Geburt bei Nennung der Vor-
fahren bis zur kontrastierenden Einbeziehung der Jarle in diesen Kreis.
Das ist eine Geschichtsschau, die durchaus subjektiv und bereits weit
von der sachlichen Kiihle und Nuchternheit entfernt ist, die man dem
Vorganger, dem Konungatal, zuschreiben muB.
Der konstruktive Bogen einer Gesamtsicht spannt sich in HN nun
aber noch uber die Olafssaga hinaus in die Haraldingerzeit. Zur sieg-
reichen Durchsetzung des Christentums unter Olaf steht in Gegensatz
sein Unterliegen unter Hakon dem Guten, dessen Abfall die entspre-
chenden klagenden Siitze gewidmet werden wie Olaf preisende: in tantum
errorem incurrit, ut miserrima commutatione aeterno transitorium prae-
poneret regnum ac detinendae dignitatis cura (proh dolor) apostata fac-
tus, idolorum servituti subactus, diis et non deo serviret (S. 106), und
wofiir Hakon mit dem Tod durch einen ignobilis puer bestraft wird
(S. 107). So ist Hakons Ende fast in dieselbe niederdriickende Stimmung
getaucht wie das des Jarls. Diese Stimmung erstreckt sich noch weiter:
die Ursache, weswegen Erich Blutaxt zweimal sein Reich verliert, ist die
Grausamkeit der Gunnhild (S. 105 u. 106); mit starken Worten wird
sie auch eingefiihrt: maleficam et iniquissimam Gorms stultissimi Dano-
rum regis filiam ac Thyri mulieris prudentissimae (S. 105). Sie wird
weiter beim Angriff ihrer Sohne ausdriicklich als aktiv miterwåhnt (S.
106), und ebenso als Herrin der Seezone neben den Sohnen (S. 107 f.).
Not und Unrecht ist die Folge dieser Herrschaft (ebda.). Durch solche
Art ausdrucklicher Erwahnung zieht die Gestalt der Gunnhild wie ein
boser Geist durch die Reihe der Haraldinger, Unheil såend und erntend.
Zusammengenommen mit Hakons Abfall und Tod wird damit auch diese
Zeitspanne in dunkles Licht getaucht und in eins zusammengesehen mit
Hakon Jarls Epoche als diisteres Heidentum. Diese Kontrastzeichnung
der Zeitalter paBt auch zum Programm des Verfassers: rectorum genea-
logiam (das sind die Herrscherreihen) retexere et adventum christianitatis
simul et paganismi fugam ac utriusque statum exponere (S. 71).
Der Gegensatz zwischen Christentum und Heidentum tritt in soleher
seiner Intensitåt als das Hauptthema der HN heraus. Aber er ist nicht das