Bibliotheca Arnamagnæana - 01.06.1950, Page 381
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fasser in die Fulle ihres Wissens und stellen daraus dar; so machen es
Th. in seiner Saga Olaf Tryggvissohns, HN ebenfalls in der Jugend
Olafs des Heiligen und in erhohtem MaB das Agr. Snorri steht damit
nicht einsam da, und allen gemeinsam ist die Freiheit im Behalten und
Erweitern der viberkommenen Stof fe und Formen, nur Grad und Konnen
sind verschieden. -Damit hat die gestaltende Personlichkeit Entfaltungs-
raum gegeniiber der Uberlieferung und driickt als ein ganz wesentlicher
Faktor dieser ihr individuelles Gepråge auf. Tradition und Personlich-
keit: beide zusammen ergeben erst das fertige Werk.
ROCKBLICK
Klar kann man nun Snorris Arbeitsweise an den beiden Gattungen
des Uberblicks und der Saga iibersehen.
In der Y nglingersaga kommt es Snorri darauf an, das iiber-
lieferte Material unter kritischer Priifung in moglichster Vollstandigkeit
zu dem ihm glaubhaftesten Bild der Vorzeit zusammenzufugen. Der
zuverlassige Leittext ist das Gedicht Thjodolfs, des Skalden, gemåB
Snorris grundsåtzlichen Anschauungen im Prolog der Heimskringla. Dem
Ynglingatal zur Seite tritt dessen B e g 1 e i t p r o s a, die fur Snorri
vor allem die Vorgeschichten iibermittelt, die Thjodolf seiner Begrenzung
auf das Todesthema zufolge nicht benutzt hat. In der Gruppe von
Sveigdir bis Visbur gab ihm die Prosa bereits einen motivlich geschlossenen
„poetischen Zyklus“; wo Zusammenhange fehlten: in der Reihe von
Domaldi bis Dag, schafft er sie durch logische Auswertung des Gedicht-
textes und durch Kombination mit seiner anderen groBen Quelle, der
Skjoldungensag a. Diese Kombination setzt Snorri fort, dahin-
gehend, daB er die Skjoldungensaga fur Jorund bis Ottar seiner Ynglin-
gertradition unterordnet, wahrend er ihr ab Adils im Wechsel mit
weiteren Uberlief erungen: von Adils, von Ingjald, von
Siedlerkonigen um Onund und Olaf, die fuhrende Rolle zuerkennt,
einige Male sogar gegen das Gedicht. Fur die norwegische Ynglinger-
reihe hat Snorri Thjodolf durch eine mit dem Thattr af Upplendinga
konungum gemeinsame Vorlage erganzt, die letzten Endes auf
der Begleitprosa fuBt, und die er erweitert oder aus dem Gedicht ver-